Archivbild der Papierfabrik Greiz um 1940

Papierfabrik Greiz

Diese Seite zeigt einen Rückblickauf auf die Broschüre 10 Jahre VEB Papierfabrik Greiz. Ich danke den Papiermuseum Fockendorf für die frendliche Bereistellung des Archivsmaterials. Die Broschüre wurde mit FineReader digitalisiert, kleine Lesefehler sind nicht auszuschließen.

 

10 Jahre

VEB Papierfabrik Greiz

Herausgegeben vom Deutschen Papiermuseum und VEB Papierfabrik Greiz

 

Es war ein glücklicher Gedanke, als uns vom Leiter des Deutschen Papiermuseums vorgeschlagen wurde, aus Anlass des 10jährigen Bestehens unserer Papier­fabrik als volkseigener Betrieb eine Ausstellung durchzuführen, um in dieser über unsere sozialistische Aufbauarbeit zu berichten. Das beweist uns, dass das Deutsche Papiermuseum sich nicht nur mit dem beschäftigen will, was vor 100 oder 1000 Jahren auf dem Gebiete der Papiergeschichte sich ereignet hat, sondern, dass es seine Forschungen endwicklungsgeschichtlich auffasst und sie nach wissenschaftlichen Grundsätzen bis zur Gegenwart fortführt und dem­entsprechend auch seine Popularisierungsarbeit in Form von Ausstellungen be­treibt.
Die volkseigene Zellstoff-, Papier- und papierverarbeitende Industrie kann auf ein 10jähriges Bestehen zurückblicken, einige Betriebe befinden sich auch schon länger in Eigentum des Volkes. Wenn hier die jüngste Geschichte eines dieser Betriebe ausstellungsmäßig behandelt wird, so mag dies vielleicht sozusagen als Modellfall  für den ganzen Industriezweig aufgefasst werden.
In der Deutschen Demokratischen Republik haben wir verschiedene Betriebe der volkseigenen Papier- und Zellstoffindustrie, die neu geschaffen oder mit neuesten Maschinen ausgerüstet wurden. Erst vor kurzem wurde mit der Errichtung einer solchen Neuanlage in Schwedt an der Oder begonnen. 100 Mil­lionen DM wurden für das gesamte Objekt zur Verfügung gestellt. Nach Fertigstellung wird dieses Werk bei voller Kapazitätsauslastung täglich 200 Tonnen Zeitungsdruckpapier und 100 Tonnen Karton produzieren und damit die größte und  modernste Anlage ihrer Art  in  Europa  sein.
Die Mehrzahl der volkseigenen Betriebe der Papierindustrie wurde jedoch aus kapitalistischem Besitz übernommen und musste verbessert, auf den neuesten Stand der Technik gebracht und mit all den sozialen Einrichtungen versehen werden, die unseren sozialistischen Forderungen entsprechen. Inwieweit uns dies in Greiz gelungen ist, welche Leistungen und Fortschritte wir als einzelner Betrieb beim Aufbau einer sozialistischen Papierindustrie erzielt haben, soll diese Ausstellung den breitesten Schichten des Volkes zeigen. Sie soll zeigen, wie unser Betrieb zu seinem Teil an der Verbesserung des Lebensstandards unseres Volkes und der Versorgung der Wirtschaft mit wichtigen Spezialpapieren mitwirkt.
Alfred   Pissarek,

Werkdirektor   des   VEB   Papierfabrik   Greiz
 

Die Greizer Papierfabrik, die jetzt ihr 10jähriges Bestehen als volkseigener Betrieb feiert, kann auf eine jahrhundertelange reiche Vorgeschichte zurückblicken.
Die Geschichte des Werkes lässt sich auf eine ehemalige Papiermühle, die 1589 durch den Papiermacher Hans Roth errichtet wurde, zurückführen. Sie umfaßt also bald 370 Jahre und lässt sich ohne Unterbrechung durch drei Stufen der gesellschaftlichen Entwicklung verfolgen: Das in der Feudalzeit als Papier­manufaktur gegründete Werk entwickelte sich — verhältnismäßig spät — zum kapitalistischen Großbetrieb und trat 1948 in die sozialistische Epoche seiner Entwicklung ein. Am 1. Juli 1958 waren 10 Jahre vergangen, seitdem der Betrieb volkseigen wurde — Anlass genug, nicht nur auf die Zeit der letzten 10 Jahre Rückschau zu halten, sondern diese neue Phase in der Entwicklungsgeschichte des Werkes auch mit der vorhergehenden Zeit in Vergleich zu setzen, um dadurch umso deutlicher das Charakteristische des Neuen hervortreten zu lassen.
Erst zwei Jahre, nachdem der Meister Hans Roth den Neubau der Papier­mühle am Aubach „hinter der Stadt uff der Klatzschen" (heutige Weberstraße) vollendet hatte, erhielt er von den Herren Reuß das in der Feudalzeit erfor­derliche Privileg zum Betreiben der Papiermühle sowie zum Lumpensammeln in den damaligen vier reußischen Herrschaften Greiz, Gera, Schleiz und Loben­stein. Das war am 8. März 1591. Mit berechtigtem Stolz führt heute die Papier­fabrik die Jahreszahl der ersten Privilegierung in ihrem Geschäftszeichen. Die Beständer und Eigentümer der Papiermühle mußten für die Gnade der Privi­legerteilung als Naturalzins jährlich zwei Ballen Schreib- und Kanzleipapier an  die  Feudalherren   entrichten, je   '4 Ballen  an  jede  Herrschaft.
Das Papiermühlen- und Lumpensammelprivileg wurde wiederholt erneuert, wie dies in der Feudalzeit bei Änderung in der Person des Inhabers oder des Herrn üblich war. Zum Lumpensammelprivileg für den Inhaber der Papiermühle kam später ein Lumpenausfuhrverbot. Erst mit Wirkung vom 1. Januar 1873, nach­dem die Gewerbefreiheit in den umliegenden Ländern längst eingeführt war, ist es als überholte Reminiszenz aus der Feudalzeit auf Grund der Bestim­mungen   der  Gewerbeordnung   erloschen.
Nach dem Wortlaut des ursprünglichen Privilegs von 1591 musste der Papierzins auf alle Fälle entrichtet werden, auch wenn der Papiermacher „wegen Mangelung Wassers selbsten nicht Papier machen konnte." Das war eine harte Bestimmung. Tatsächlich führte der Aubach nicht immer genügend Wasser, was den Herren offenbar bekannt war, nicht aber dem unterneh­mungsfreudigen Papiermacher. In den ersten Jahren des Bestehens der Papiermühle wechselten deshalb oft die Inhaber, sie kamen mit der Ablieferung ihres   Papierzinses   in   Rückstand.
Valentin Tischendorf, der 1624 die Papiermühle übernahm, erkannte bald das Grundübel. Er entschloss sich, einen besseren Standort zu suchen und ver­legte das Werk 1627 an die Göltzsch, an die Stelle, an der sich die Papier­fabrik  noch   heute befindet.
Mit Valentin Tischendorf tritt ein Papiermachergeschlecht in Erscheinung, das fünf Generationen lang auf der Papiermühle wirkte. Nach überstehen der Fährnisse des Dreißigjährigen Krieges und langwieriger Kämpfe wegen Auf­rechterhaltung des Lumpensammelmonopols wurden technische Verbesserungen eingeführt, unter anderem wurde ein Hadernschneider und ein Holländer auf­gestellt. Dar Stammvater Tischendorf hat in der Greizer Papiermühle anschei­nend auch den Stampfhammer, eine fortschrittliche Einrichtung zum Glätten des Papiers, eingeführt.

 

In den kunstreichen Wasserzeichen der alten Greizer Büttenpapiere spiegelt sich das Abhängigkeitsverhältnis der Papiermacher von ihren Herren Reuß wider, denn der reußische Löwe u. das geviertete Reußwappen kommen in verschiedenen Abwandlungen  in der Gestaltung der Zeichen  bis ins 19. Jahrhundert vor.
Wenn auch über das soziale Leben auf der Papiermühle mit ihren Gesellen, helfenden Frauen und Mägden, Lumpensammlern und Lumpenhackern nicht viel Einzelheiten überliefert sind, so erfahren wir doch aus den erhaltenen Akten etwas über ihre Entlohnung. In den „Artikuln der Papiermacher", die Tischen­dorf 1671 der Behörde unterbreitet, ist über die Entlohnung der Gesellen „wie sie vordem  bräuchlich gewesen", gesagt:
„Dem Büttenknecht 9 Groschen zum Wochenlohn und 6 Pfennig vom Ries Stückwerk darüber; dem Gautscher 7 Groschen zum Wochenlohn und 5 Pfennig vom Ries Stückwerk darüber; dem Leger 7 Groschen Wochenlohn und 5 Pfennig vom Ries darüber; 3 Ries soll ein Gesell zum Tagwerk glätten und von einem Ries darüber 10 Pfennig. Dieser Wochenlohn ist von alters her gewesen. Wenn ein armer Meister auf einer kleinen Mühle wegen Wassermangels oder aus Armut nicht mehr als das Tagewerk machen kann, so soll der Geselle mit dem Wochenlohn vorliebnehmen; will ihm aber der Meister aus gutem Willen etwas mehr geben, so steht ihm dies frei, aber der Geselle soll keinen Zwang zu ihm haben, dass er ihm mehr geben sollt, als er verdienet; . . • mit Essen und Trinken sollen sie vorliebnehmen mit dem, was das Haus vermag, und sollen nicht die Macht haben, es den Meistern vorzuschreiben; wems nicht gefällt, soll seinen Hoff weiter setzen."
Wir sehen, die Gesellen stellten ihre Forderungen, ohne sie jedoch durchsetzen zu können. Die Arbeitszeit betrug 14 bis 16 Stunden, bis ins 20. Jahrhundert wurde   in   den   Papierfabriken   üblicherweise   12   bis   14   Stunden   gearbeitet.
1808 erwarb C. F. A. Günther die Papiermühle von der Witwe des letzten Tischendorf-Papiermachers, das Werk blieb nun im Besitz der Günther bis zur Enteiqnung 1948. Zwar hatte der berühmte Erfinder der ersten deutschen Papiermaschine, Adolf Keferstein in Weida, bereits um 1830 Pläne zur Umwandlung in eine Papierfabrik ausgearbeitet, aber erst 1865 kam die erste Papiermaschine zur Aufstellung. Mit Einführung der neuen Technik wurde aus der feudalistischen Manufaktur ein kapitalistischer Betrieb. Seit 1885 wurde an der weiteren Umwandlung und Modernisierung der Einrichtung gearbeitet, ein Kalander wurde aufgestellt, elektrische Beleuchtung im Betrieb gelegt. 1890 ging man zur Nachtarbeit über, die 2. Papiermaschine wurde in Gang gebracht. Es folgten nun dauernd Erneuerungen, Um- und Neubauten, durch die das Werk systematisch zum kapitalistischen Großbetrieb entwickelt wurde. Über einige technische Ein­zelheiten vgl. die Tabelle am  Ende dieser Schrift.
Während des 2. Weltkriege-, hatte der Betrieb manche Einschränkungen erfahren, 1941 hat ein Großfeuer erheblichen Schaden angerichtet. Die. Zahl der Belegschaft war Ende des Krieges schließlich auf die Hälfte gesunken. Da keine Kriegsschäden eingetreten waren, konnte bald nach Kriegsende die Arbeit zu­nächst in beschränktem  Umfange wieder aufgenommen werden.
Mit der technischen hatte die soziale Entwicklung im Betrieb nicht Schritt gehalten. Die vorhandenen hygienischen und sozialen Einrichtungen waren nicht ausreichend, die Zahl der Unfälle war groß. Die Arbeitsbedingungen waren derart unzeitgemäß und unzulänglich, insbesondere die Löhne im Vergleich zu anderen Greizer Betrieben und zu anderen Papierfabriken so niedrig, daß dies der Fabrik  im Volksmund den  Namen „Knochenmühle" eingetragen  hatte.

Es ist deshalb verständlich, daß die Belegschaft die Überführung des Werks aus Privatbesitz in das Eigentum des Volks, die zum 1. Juli 1948 beurkundet wurde,  freudig   begrüßte.
Mit der Enteignung des letzten privaten Eigentümers wurde eine neue stetige Aufwärtsentwicklung eingeleitet. Nunmehr stieg kontinuierlich die mengenmäßige Produktion gleichzeitig mit den Durchschnittslöhnen, während die Arbeitsproduktivität noch rascher anstieg, worüber im folgenden näher berichtet wird. In steigendem Maße werden beträchtliche Gewinne erzielt. Wenn sich hieraus eindeutig die Überlegenheit der sozialistischen Wirtschaftsführung ergibt, so ist zu berücksichtigen, dass die Entwicklung weitergeht. Jährlich werden umfangreiche Mittel zur Steigerung der Quantität u. Qualität der Produktion ausgegeben. Von der ständig wachsenden Leistungsfähigkeit zeugt letzten Endes auch alljährlich die Leipziger Messe, wo im Zentralmessepalast der VEB Papierfabrik Greiz  zu  den ständigen   und stark   beachteten  Ausstellern  gehört.
Verfolgen wir die Entwicklung, die das Werk in seinen einzelnen Produktions­zweigen und Abteilungen, in technischer und produktionsmäßiger Hinsicht, aber  auch   auf hygienischem,   sozialem,  kulturellem   Gebiet  genommen   hat.
Nachdem das Werk 1948 Eigentum des Volkes geworden war, galt es zunächst, die durch Krieg und Nachkriegszeit verminderte Produktion zu heben, die technischen Anlagen voll auszunützen, sie zu verbessern und auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Während 1948 nur vier Papiermaschinen liefen, konnten 1949 die Papiermaschine V und 1951 die Papiermaschine VI wieder in Gang gesetzt werden.
Gleichzeitig ging man daran, systematisch an der Verbesserung der technischen Einrichtungen zu arbeiten, was seitdem zu einer ständigen Steigerung der Produktion und Verbesserung der Rentabilität des Betriebes führte. In den Jahren 1949 bis 1951 wurden beispielsweise in der dem Werk angeschlossenen Holz­schleiferei neben dem Stetigschleifer von 1926 drei neue Pressenschleifer aufgestellt. Anstelle der Holzentrindung mit dem Schälmesser aus Stahl wurde im Jahre 1955 eine Naßentrindungsanlage, die später verbessert und vergrößert wurde, nach modernen Gesichtspunkten errichtet. Nach vorherigem Einweichen des Holzes werden Rinde und Bast durch ein Spritzverfahren in einer Entrindungstrommel ohne Holzverluste beseitigt. Dadurch konnten die Holzfaserverluste  durch  Schälen von  10  Prozent auf 2 Prozent gesenkt werden
Wenn Kollergang und Holländer auch heute noch zu den unentbehrlichen Hilfseinrichtungen der maschinellen Papierherstellung gehören, so wurden sie doch teilweise bereits nach neuzeitlichen Gesichtspunkten durch den Turbolöser in Verbindung mit der Kegelstoffmühle zur Erzielung eines kontinuierlichen Arbeitsablaufs ersetzt. Durch diese modernen Stofflöse- und Stoffmahlgeräte erfolgt nicht nur eine faserschonende Aufbereitung des Stoffes, sondern auch eine erhebliche Kostensenkung. Bei Auflösung eines Spezialrohstoffes konnten die Kosten gegenüber der bisherigen Arbeitsweise auf 0,1   Prozent gesenkt werden.
Das vorhandene Papierprüflabor wurde allmählich ausgebaut und mit den neuesten Prüfgeräten und -einrichtungen ausgestattet, unter anderem mit Ge­räten zur Weichheitsprüfung, zur Bestimmung des PH-Wertes, d. h. des Säure­bzw. Alkaligehaltes, zur Ermittlung der Flächenveränderung bei verschiedenen klimatischen Verhältnissen (Maßhaltigkeitsprüfer) und anderen. Neben dem Klimaraum mit mechanischen Prüfgeräten ist ein chemisches und ein technisches Labor eingerichtet, hinzu kommt ein fotografisches Labor. So können die Roh-und Halbstoffe, insbesondere der von Holzschleiferei und Zellstoffwerken bezogene   Holzschliff  und   Zellstoff  geprüft  werden.   Der Zellstoff  wird   beispielsweise auf Reinheit, Wassergehalt und bei Verwendung für Spezialpapiere auch auf seinen chemischen Aufschlußgrad untersucht. Auch die Produktion wird laufend überwacht, zum Beispiel wird die Faserstoffbeschaffenheit beim Mahlen des Papierstoffes im Holländer ermittelt. Schließlich werden laufend Proben der eigenen Fertigfabrikate je nach den vom Verbraucher verlangten Eigenschaften und Qualitäten geprüft, indem Berstdruck, Reißlänge, Falzwiderstand, Leimfestigkeit,   Aschegehalt   usw.   festgestellt  werden.
Bei dem ständigen Bemühen um Qualitätssteigerung und insbesondere bei der Entwicklung neuer Sorten und Spezialpapiere, aber auch durch den gesteigerten Export in die verschiedensten Länder und Zonen der Erde fallen dem Prüflabor wichtige, oft entscheidende Aufgaben zu. Da das Papier im allge­meinen nach dem Gewicht für eine bestimmte Flächengröße (Quadratmeter­gewicht) gemessen wird, kommt der neuzeitlichen Flächengewichtsmessung mit Isotopen große Bedeutung zu. Das Messen mit Hilfe der Beta-Strahlung des Thalliums  204  ermöglicht  eine  Genauigkeit  bis zu  etwa   1   g'qm.
Zahlreich sind die Neuerungen und Verbesserungen an verschiedenen Stellen des gesamten betrieblichen Produktionsablaufes. Durch den z- Z. im Bau befindlichen Economiser wird ein rationeller Kohlenverbrauch bewirkt, die Senkung  des  Brennstoffbedarfs  beträgt ca.   10  Prozent.
In der Ausrüstung wurde ein Fließband eingerichtet, das eine wesentliche Arbeitserleichterung   für  die dort  Tätigen brachte.
Schwere manuelle Verladearbeiten im innerbetrieblichen Transportwesen wird der in den nächsten Monaten zur Anwendung kommende Elektrohubstapler beseitigen. Das Gerät hat vielseitige Einsatzmöglichkeit bei Ent- und Beladearbeiten, beim Stapeln von Roh- und Hilfsstoffen sowie von Fertigfabrikaten. Bei relativ geringen Betriebskosten ist Wenig Aufwand an Wartung und Pflege erforderlich.
Die ununterbrochene Aufwärtsentwicklung der Papierfabrik kommt besonders deutlich in der Zunahme der Arbeitsproduktivität zum Ausdruck, die schneller gestiegen ist als die Bruttoproduktion und die Durchschnittslöhne. Dies verdient hervorgehoben zu werden, denn beim Aufbau unserer sozialistischen Gesellschaftsordnung ist die Steigerung der Arbeitsproduktivität von ausschlaggebender Bedeutung.

 

Bruttoproduktion

Arbeitsproduktivität

Durchschnittslohn

1951

100,0%

100,0%

100,0%

1952

122,0%

117,4%

110,7%

1953

128,3%

131,2%

122,1%

1954

132,6%

138,0%

136,3%

1955

146,9%

150,7%

142,4%

1956

158,6%

160,6%

143,0%

1957

158,7%

163,5%

148,2%

Die Erzielung dieser wichtigen volkswirtschaftlichen Bedingungen für eine gesunde Entwicklung des Betriebes sind nicht denkbar ohne die Ausbildung und Förderung des betrieblichen Vor schlags- und Erfindungswesens sowie die Wett­bewerbs-  und Aktivistenbewegung. Schon im Jahre 1948 gleich nach Überführung des Betriebes in das Eigentum des Volkes setzte das neue Vorschlagswesen ein. Es fehlte jedoch anfangs noch eine einheitliche Grundlage für die Bearbeitung der gemachten Verbesserungsvorschläge. Diese wurde durch die Verordnung über das Erfindungs- und Vorschlagswesen in der volkseigenen Wirtschaft vom 6. Februar 1953 geschaffen, das Büro für Erfindungswesen des Betriebes wurde hauptamtlich besetzt. Damit war die Gewähr dafür gegeben, daß jeder Vorschlag ordnungsgemäß bearbeitet wurde und der Einreicher dem durch die Realisierung hervorgerufenen Nutzen entsprechend seine gerechte Vergütung   erhielt.

 

Die grafische Darstellung zeigt die Entwicklung des Verhältnisses zwischen der Anzahl der eingereichten Verbesserungsvorschläge und dem durch diese erzielten Nutzen. In die Augen springend ist die auch anderwärts zu verzeichnende Tatsache, dass die Anzahl der Vorschläge zwar zurückgegangen, ihr Wert aber ganz bedeutend gestiegen ist.
„Man soll nicht das erfinden, was man gern möchte, sondern das, was unser sozialistischer  Aufbau   erfordert".
Diesen Gedanken Kalinins haben sich die Erfinder und Rationalisatoren zum Grundsatz gemacht.
Greifen  wir einige  Beispiele heraus:
Walter Cramer, Arbeiter an der Hülsenmaschine, machte sich Gedanken, wie die durch die bisherige Lagerung aufgetretenen Nachteile bei der Weiterverwendung der gefertigten Hülsen behoben werden könnten. Die Hülsen wurden immer krumm und ließen sich daher nur mit Schwierigkeiten verarbeiten. Es gab laufend Verärgerungen. Kollege C. schlug nun vor, einen sog. Hülsen­wagen zu bauen, damit jede Hülse für sich steht und folglich gleichmäßig trocknen kann. Die Realisierung zeigte, daß keine verzogenen Hülsen mehr zu verzeichnen waren.
Josef Piehl, Meister der Abteilung Veredlung, erreichte durch das Anbringen einer Tauch- und Abpreßvorrichtung an der Teermaschine und den Einbau einer heizbaren Teerpumpe, daß die Arbeitsbreite erhöht und die Geschwindigkeit der Maschine gesteigert werden" konnte. Die Produktionsleistung konnte durch   diese Verbesserung   um  ca. 50  Prozent gesteigert werden.
Fritz Fröhlich, Leiter der Ausrüstungsabteilungen, erreichte durch Veränderung des Produktionsablaufes am Friktionskalander, der einen Arbeitsgang überflüssig machte-, eine Produktionssteigerung an dieser Maschine von ca. 95°/o. Es  wurde dadurch ein  Jahresnutzen  von   rund   11 400,—  DM  erzielt.
Auch aus der Aktivisten- und Wettbewerbsbewegung, an der bereits 1949 acht Kollegen teilnahmen, seien einige Beispiele angeführt. Bemerkenswert ist dabei, daß nicht wenige Werksangehörige mehrmals mit dem Ehrentitel „Aktivist" ausgezeichnet werden  konnten.
E^nst Albert, 1953 und 1954 als Aktivist ausgezeichnet; durch seinen Verbesse­rungsvorschlag wurde eine höhere Geschwindigkeit seiner Maschine erreicht. Dadurch steigerte er die Arbeitsproduktivität um 14"/n. 1954 wurde er 1. Sieger im innerbetrieblichen Wettbewerb seiner Abteilung und erreichte eine Produk­tionssteigerung  von 7%.
Fritz Arnhold, 1954 und 1956 als Aktivist ausgezeichnet. Arnhold entwickelte ständig neue fortschrittliche Gedankengänge bei der Berufsausbildung, hat wesentlichen Anteil an der Erringung der Wanderfahne des Ministeriums für Leichtindustrie   im  VIII.   Berufs-Wettbewerb   des   Jahres   1956.
Paul   Horlbeck,   Aktivist   von   1954,   1956   und   1957.   Er   hat  sich   besonders   im
Wettbewerb hervorgetan und dort eine Produktionssteigerung von 16,5ft'o erzielt. Außerdem hat er zum 40. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution einen Aufruf an alle Kollegen der papiererzeugenden Industrie erlassen und selbst die Verpflichtung übernommen, im IV. Quartal eine Mehr­produktion von  10 t  zu  erzielen,  die er  mit  5  t  übererfüllte.

Erwin Brieger wurde 1956 und 1957 als Aktivist ausgezeichnet. Kollege Brieger ist wesentlich an der Senkung der Stillstandsstunden an der Papiermaschine II beteiligt. Außerdem hat er im Kollektiv mit dem Aktivisten Paul Horlbeck im IV. Quartal  1957 eine Mehrproduktion von  15 t Papier erzielt.
Karl Lautenschläger, Hauptproduktionsleiter, dreimal als Aktivist ausgezeichnet, Er entwickelte in mühevoller Arbeit ein hochleitfähiges Papier, durch dessen Herstellung   wir  vom   Import  aus  Westdeutschland   unabhängig   wurden.
Kurt Müller, dreimal als Aktivist ausgezeichnet. Müller hat wesentlichen Anteil an der Erhöhung der Produktion; er organisiert die Arbeit so, daß pro Schicht nicht  18,  sondern 22  Holländer arbeiten.
Heinrich Hoffmann arbeitet nach der Mamai-Methode. Er verpflichtet sich, zu Ehren des V. Parteitages 1% über den Plan auszurüsten, es gelang ihm jedoch, diese Verpflichtung um die Hälfte überzuerfüllen, so dass er insgesamt 19 t Papier über den  Plan ausrüstete.
Elsbeth Regner verpflichtete sich, zu Ehren des 40. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution ihre Stundenleistung um 8 kg zu erhöhen. Durch die Erfüllung dieser Verpflichtung erreichte sie eine Mehrproduktion versand­fähigen   Papieres von  4 t im Quartal   1957.
Willy Zipfel war der erste Aktivist unseres Betriebes im Mai 1949 und hat somit die Aktivistenbewegung bei uns ins Leben gerufen. Er konnte auf Grund seiner vorbildlichen Arbeit seit dieser Zeit noch zweimal als Aktivist ausgezeichnet werden.
Klara Scharf wurde 1955 als Aktivistin ausgezeichnet, weil sie ihre Brigade in der Altpapiersortierung so qualifizierte, daß sie als beste Sortierbrigade aus dem Wettbewerb hervorging. Nach dem Vorbild von Franik vermittelte Kollegin   Scharf   ihre   Arbeitserfahrung   auch   anderen   Brigaden.
Wettbewerb  um  die  beste  Papiermaschine:
Die Komplexbrigade an der Papiermaschine II errang im 2. Halbjahr 1956 und im 1. Halbjahr 1957 den Titel „Beste Papiermaschine". In dem genann­ten   Zeitraum   übererfüllte   sie   ihren   Plan   mit   7   Prozent.
Wettbewerb   um   die  beste   Ausrüstungsabteilung:
Im 1. Halbjahr 1957 errang die Komplexbrigade der Ausrüstung II als Sieger den Titel „Beste Komplexbrigade der Ausrüstung". Übererfüllung des Planes i.   D.   13,3   Prozent.
Eine wesentliche Steigerung der Produktion brachte die Einführung der Mamai-Methode, nach der der Plan für jeden Arbeitskollegen aufgeschlüsselt und ein Wettstreit um die tägliche Erfüllung des Planes geführt wird. So arbeitst beispielsweise die ganze Abteilung Ausrüstung II seit dem 1. Mai 1958 nach der Mamai-Methode, wodurch es möglich war, in dieser Abteilung die Arbeitsproduktivität von 309 kg je Stunde auf 330 kg/Std. pro Maschine im Durchschnitt zu steigern.
Die Betriebsberufsschule errang im überbetrieblichen Wettbewerb des VIII. Berufswettbewerbs der deutschen Jugend 1955/56 den Wanderpokal als „Beste Ausbildungsstätte der papiererzeugenden  Industrie".

Das Papier ist ohne Frage ein bedeutender Kulturträger. Wenn Justus von Liebig den Stand der Zivilisation eines Volkes an dessen Verbrauch von Seife ablesen wollte, sc kann man den Kulturstand gewiss zumindest mit dem gleichen Rechte am Verbrauch  des  Papiers  messen.
Der jährliche Gesamtverbrauch  der  Bevölkerung  an  Papier in  der  DDR:

1957 je Kopf  36  kg, z. Z. je Kopf,  40 kg, Planziel  1960 je Kopf  47 kg

Schon in alter Zeit haben sich Papiermühlen da entwickelt, wo die Konsumtionsfähigkeit Hand in Hand ging mit der geistigen Bildung der Bevölkerung. In­zwischen haben sich die Ansprüche, die man an das Papier stellt, sowohl qualitativ wie auch hinsichtlich Sortenwahl für die vielfältigsten Zwecke des Papier­verbrauchs in nie gekanntem Maße gesteigert. Man gebraucht das Papier längst nicht mehr ausschließlich zum Schreiben oder als Bedruckstoff. Als Verpackungsmaterial erfüllt es eine volkswirtschaftlich außerordentlich wichtige Aufgabe, in vielen Industriezweigen ist es als Werkstoff und Austauschstoff für die mannigfaltigsten  Zwecke  unentbehrlich  geworden.
In der richtigen Überlegung, dass die besonders gelagerten Verhältnisse der Greizer Papierfabrik es wenig ratsam erscheinen lassen, etwa in der Erzeugung gewöhnlicher Papiersorten mit anderen Papierfabriken in Wettbewerb zu tre­ten, hat man sich hier spezialisiert und gegenüber früher auf die Herstellung verhältnismäßig weniger Sonderpapiere, insbesondere auf die sehr gefragten technischen Spezialpapiere konzentriert. Dadurch war es auch möglich, den Ex­port in beispielhafter Weise ständig zu steigern und damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Lebensstandards unseres Volkes zu leisten, denn nur eine Steigerung der Ausfuhr gestattet eine erhöhte Einfuhr lebenswichtiger Güter.
Das Produktionsprogramm umfasst insbesondere folgende Sorten, die hier hinsichtlich  ihrer Verwendung  kurz  charakterisiert seien.
Hollerithkarton (Lochkartenkarton) wird seit annähernd 30 Jahren im Betrieb gefertigt. Er findet in Form von bedruckten Lochkarten im Rechnungswesen eine vielseitige Verwendung. Ist es doch unter Einsparung einer ganzen Anzahl von Arbeitskräften möglich, Lohnerrechnungen, Bestands- und Versandzahlen, ja sogar statistische Errechnungen, wie Volkszählung usw. innerhalb kürzester Zeit durchzuführen — im Zuge der Automatisierung und Technisierung ein unentbehrliches  Material.
Fotoschutzpapiere fertigt der Betrieb als einzige Papierfabrik in der DDR. Diese Qualität wird nach den neuesten Erkenntnissen der fotochemischen I­dustrie hergestellt und von den Filmfabriken in ganz Deutschland und teilweise auch im Ausland gern verarbeitet. Die zweiseitig gefärbten Papiere schwarz/rot, schwarz/grün, schwarz/gelb und schwarz/blau werden fast ausschließlich nur bei Rollfilmen 6X9 cm verarbeitet. Schwarz/weiß wird zu Zahnröntgenfilmen verwendet und die schwarzen Fotoschutzpapiere werden zum Verpacken von Röntgenfilmen, Fotopapieren und allen anderen lichtempfindlichen Papieren eingesetzt.
Ogenolit. Ein Spezialerzeugnis, findet als Umschlagkarton genau so gut Verwendung wie er auch zu Schnellheftern verarbeitet wird.
Kalanderwalzenpapier. Ein Spezialpapier zur Fertigung von Kalanderwalzen für die Papier-  und Textilindustrie.

Preßspanrohpapier wird  in der  gesamten   Elektroindustrie verarbeitet.
Natronkrepp-Rohpapier kann zum Umwickeln von Kabeln genauso als auch zum   Umwickeln  von   Fahrradfelgen  und   Rahmen  Verwendung   finden.
Schleifbandrohpapier wird zu dem in Industrie und Haushalt bekannten Schmirgelpapier (Sandpapier) verarbeitet.
Asbestpapier, eine Spezialität, welche vor einigen Jahren von Kollegen des Betriebes entwickelt wurde und patentiert ist, kann als Dichtungsmaierial viel­seitige Verwendungsmöglichkeit finden. Es wird ebenso für die Elektrolyse bei der  Herstellung  von   Natronlauge  eingesetzt.   Es   ist garantiert  feuerfest.
Billettkarton wird in verschiedenen Farben verwendet und zu Eintrittskarten und  insbesondere Kinokarten  verarbeitet.
Vorsatz- und Uberzugpapiere stellen einen Buchbinderei-Bedarfs-Artikel dar und  werden   insbesondere  zum   Überziehen von   Buchdeckeln  verwendet.
Neulandmarmor wird in 7 Farben hergestellt und bei der Fertigung von Ordnern verarbeitet.
Manüakarton.  Ein   geklebter  Karton   in 7   Farben  wird   in  der   Hauptsache  zu
Schnellheftern  verarbeitet.
Packpapier, ein äußerst wichtiger Rohstoff, dient zum Verpacken in Einzelhan­delsgeschäften   und  zur Tütenherstellung.
Textilhülsenpapier in verschiedenen Farben, wird zu Textilhülsen für grobe und feine Garne verarbeitet. Ein auf hundertjähriger Tradition beruhendes Produkt der  Greizer  Papierfabrik  für  die Textilindustrie.
Tauenpapier, ein sehr beliebtes farbiges Einschlagpapier, welches auch gern zum  Büchereinbinden verwendet wird.
Natrcnpapier für Gummierzwecke, in der Verpackungsindustrie ebenfalls unentbehrlich   für die   Herstellung  von gummiertem   Klebeband.
Karteikarton in verschiedenen Farben, zu Karteikarton der verschiedensten Ausführungen verarbeitet, findet in  Industrie und  Handel Verwendung.
Konservenkarton, ein nicht wegzudenkendes Material, findet es doch für die Verpackung  von   Kunsthonig, Fischkonserven  usw.  eine große Verwendung.
Chromoersatzkarton, einseitig  glatt,  kann  zu  Pralinen-Packungen genau so gut wie zum Verpacken  von Teigwaren  und dergleichen verarbeitet werden. Holztreier Automatenkarton wird ausschließlich  in  der Textilindustrie,  und zwar in Stickereibetrieben   oder Teppichfabriken   verwendet.

Seit 1950 werden in der Papierfabrik Lehrlinge ausgebildet, 1952 wurde die Betriebsberufsschule als zentrale Ausbildungsstätte für den Papiermachernachwuchs in der DDR eingerichtet In vorbildlicher Weise sind hier die Einrichtungen für Theorie und  Praxis der Berufsausbildung  miteinander verbunden.
In einer zweieinhalbjährigen Ausbildung innerhalb der Betriebsberufsschule und dem Produktionsbetrieb werden den Papiermacherlehrlingen die umfangreichen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, die es ihnen ermöglichen, als zukünf­tige Facharbeiter das jahrhundertealte Handwerk des Papiermachens auszuüben und entscheidend an der Erfüllung unserer Volkswirtschaftspläne mitzuarbeiten.
Die Berufsausbildung muss allen politischen und ökonomischen Forderungen der Arbeiter-und-Bauern-Macht entsprechen und vorbildlich für ganz Deutschland sein.
An der Schule wurden seit 1952 über 300 Papiermacher für 48 verschiedene Betriebe der papier- und pappenzeugenden Industrie ausgebildet. Davon haben bis heute 22 ihre weitere Qualifizierung als Techniker und Ingenieure beendet. 75 Papiermacherlehrlinge befinden sich gegenwärtig in der Ausbildung und weitere 50  Lehrlinge  beginnen ihre Lehrzeit ab 1. September 1958.
Die jungen Papiermacher werden nach Abschluss ihrer Berufsausbildung in den zahlreichen Betrieben unserer volkseigenen Papierindustrie an der Erzeugung der verschiedensten Papiersorten mitarbeiten. Neben der Vermittlung eines gründlichen allgemeinen und fachlichen Wissens werden die Lehrlinge mit allen vorkommenden   Arbeiten   der   Papierproduktion vertraut  gemacht.
Die Papiermaschine ist Schwerpunkt in der Ausbildung. Etwa ein Jahr lang wird der Papiermacherlehrling an der Papiermaschine ausgebildet. Die letzten sechs Monate seiner 2,5 jährigen Lehrzeit verbringt er im künftigen Produk­tionsbetrieb und orientiert sich so auf dessen betriebliche Besonderheiten und Spezialerzeugnisse.
An der Lehrpapiermaschine, die ausschließlich der Berufsausbildung zur Verfügung steht und in dieser Form die einzige ihrer Art in der Republik darstellt, wird im Rahmen der produktiven Ausbildung Krepppapier, Textilhülsenpapier und Packpapier erzeugt.
Nachdem in der Deutschen Demokratischen Republik die Werktätigen unter Führung der Partei der Arbeiterklasse die Lenkung der Geschicke von Staat und Wirtschaft in die Hand genommen haben, ergab sich als naturnotwendige Folgerung aus dieser Tatsache und als eine der dringendsten Aufgaben die Befähigung und ständige Qualifizierung der Arbeiterklasse für ihre neuen höheren Aufgaben durch fachliche und politische Schulung. Die Arbeiterklasse hat den Beweis erbracht, daß sie in der Lage ist, Wirtschaft und Staat zu lenken und zu leiten. Die Erreichung dieses Zieles ist ohne die Heranbildung fähiger Kader durch Qualifizierungsmaßnahmen der verschiedensten Art nicht denkbar. Das Bemühen der Werktätigen, sich ein Höchstmaß an Fachkenntnissen und Allgemeinbildung anzueignen, kommt dabei nicht nur der Wirtschaft zu­gute, sondern die Betriebe der volkseigenen Wirtschaft sind zugleich das Reservoir für die Kader, die der Staatsapparat mit seinen vielfältigen Einrichtungen und die demokratischen Massenorganisationen benötigen, über die Erfolge des VEB Papierfabrik Greiz bei der Entwicklung neuer Kader vermitteln nachstehende Angaben  ein  anschauliches  Bild:

Seit 1951 haben 16 Betriebsangehörige Fachschulen besucht, sechs an Meisterlehrgängen teilgenommen, 45 (darunter drei weibliche) an fachlichen Lehrgängen von 1 bis 6 Monaten Dauer, 194 (darunter 43 weibliche) an gesell­schaftswissenschaftlichen Lehrgängen von 1 bis 6 Monaten Dauer, 41 (darunter neun weibliche) an Vorbereitungslehrgängen der Volkshochschule. Durch be­triebliche Qualifizierungsmaßnehmen sind insgesamt 115 Hilfsarbeiter und 85  Hilfsarbeiterinnen zu  Fachkräften  ausgebildet worden.
Von großer Wichtigkeit für einen ungestörten Betriebsablauf ist die Vorsorge und der Schutz der Werktätigen gegen Unfälle. Die Maßnahmen des Arbeitsschutzes, die im Zusammenwirken betrieblicher, gewerkschaftlicher, parteilicher und staatlicher Stellen getroffen werden, haben in den letzten Jahren eine dauernde  Senkung   der  Betriebsunfälle  bewirkt.

Zu den Voraussetzungen für die Verhütung von Unfällen gehören insbesondere: gute Arbeitsorganisation,
Ordnung   und  Sauberkeit am Arbeitsplatz und  an den   Maschinen, Pflege der Arbeitseinrichtungen  und Brandschutzgeräte, gute Unterhaltung der technischen,  sanitären,   hygienischen  Anlagen.
Da die Mitarbeiter diese Momente stärker als früher beachten, konnten zahlreiche Unfallquellen durch die Aufmerksamkeit und Arbeitsdisziplin aller Werksangehörigen  beseitigt  werden.

In diesem Zusammenhang sei auch der betriebliche Brandschutz erwähnt, der für die im Betrieb arbeitenden Menschen ebenso von Bedeutung ist wie für die Erhaltung der Werksanlagen
Jahr Betriebsunfälle  
1953 124  
1954 105  
1955 97  
1956 80  
1957 66  

Zu den Voraussetzungen für die Verhütung von Unfällen gehören insbesondere:

gute Arbeitsorganisation,
Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz und an den Maschinen,
Pflege der Arbeitseinrichtungen und Brandschutzgeräte, gute Unterhaltung der technischen, sanitären, hygienischen Anlagen.

Da die Mitarbeiter diese Momente stärker als früher beachten, konnten zahl­reiche Unfallquellen durch die Aufmerksamkeit und Arbeitsdisziplin aller Werksangehörigen  beseitigt  werden.
In diesem Zusammenhang sei auch der betriebliche Brandschutz erwähnt, der für die im Betrieb arbeitenden Menschen ebenso von Bedeutung ist wie für die Erhaltung der Werksanlagen.

Während die alte Betriebsfeuerwehr 1921 eine Stärke von 50 Mann hatte und nur mit einer Lafettenspritze älteren Fabrikats und einer Handspritze ausgestattet war, sind heute zwar nur 25 Kameraden zum Brandschutz eingesetzt, sie verfügen aber über die modernsten Feuerlöschgeräte. Die Betriebsfeuerwehr ist eine der besten des Kreises Greiz. Infolge der guten Arbeit im tätigen und vorbeugenden Brandschutz konnten die Brände in den letzten Jahren auf ein  Mindestmaß herabgedrückt werden.
Im Staat der Arbeiter und Bauern ist die Sorge um den Menschen höchstes Gebot.
Der Betrieb hat deshalb eine ganze Reihe von hygienischen und sozialen Ein­richtungen geschaffen oder etwa vorhandene verbessert und erweitert, die dazu angetan sind, die Gesunderhaltung der Werktätigen zu unterstützen, für preis­werte und bekömmliche Ernährung zu sorgen, ihnen eine angenehme und freundliche Umgebung zu bieten, vermeidbare Wege außerhalb der Arbeitszeit abzunehmen, die werktätigen Frauen zu entlasten und auf mancherlei Art zur Freude und  Erholung  beizutragen.
Entsprechend den erfolgreichen Leistungen der Betriebszugehörigen konnten jährlich erhebliche Beträge zur Vervollkommnung sozialer Einrichtungen und zur Verbesserung der sozialen Lage der Werksangehörigen zur Verfügung ge­stellt werden. Für solche Zwecke (Sozialunterstützungen, Schulungsbeihilfen usw.) wurden ausgegeben:
1955: 35402,— DM, 1956: 15 342,-- DM, 1957:    23 530,— DM
außerdem aus  Investmitteln für
Neubau Werkküche  1955    56 800,— DM
Neubau Speisesaal    1956    26 500,— DM
Bäder: Den Werktätigen steht zur Gesunderhaltung des Körpers eine Großbadeanlage getrennt für Frauen und Männer mit. insgesamt fünf Wannen und 16 Brausen jederzeit zur Benutzung zur Verfügung.
Die Sanitätsstelle ist auf das  modernste eingerichtet.
Neben allgemeinen und Spezialuntersuchungen werden auch Behandlungen durch Elektrotherapie und Hydrotherapie, auch Massagen gegeben.
Die Werkküche ist nach den neuesten hygienischen Forderungen mit vier Kesseln, einem elektrischen Herd mit 18 größeren, mittleren und kleineren Kochstellen, Kippbratpfanne, zwei Kühlschränken, Kartoffelschälmaschine, Universal-Küchenmaschine ausgestattet. Acht Beschäftigte sorgen für das leibliche Wohl der Belegschaft.
Die früheren Speiseräume entsprachen längst nicht mehr den gesellschaftlichen Anforderungen. Die ehemals bestehenden Beamten-. Frauen- und Män­nerspeisesäle mussten Platz machen für einen großen Speisesaal, in dem alle Betriebsangehörigen ihre Mahlzeit einnehmen. Täglich werden dort drei verschiedene Gerichte  nach  Wahl von zwei  Kolleginnen serviert.
Der Betrieb verfügt über eine eigene Gärtnerei. Diese beliefert die Werkküche mit Frischgemüse und sorgt für Blumenschmuck bei Veranstaltungen aller Art. In  der Gärtnerei sind ständig drei  Fachkräfte  beschäftigt.
Die Schweinemästerei sorgt für zusätzliche Fleisch- und Fettportionen in der Werkküche.

Die   Betriebswäscherei,  ferner  eine Schneider-   und   eine  Schuhmacherwerkstatt
dienen dazu, namentlich die berufstätigen Frauen zu entlasten und ihnen man­chen  Weg  zu ersparen.
Zur Verbesserung der Einkaufsmöglichkeiten für die werktätige Frau wurden im Jahre 1949 die Konsumverkaufsstelle, 1951 auch eine HO-Verkaufsstelle er­öffne'.
Nachdem die Arbeiterklasse die politische und ökonomische Macht erobert hat, muß sie sich darum bemühen, auch auf geistigem und kulturellem Gebiet ihre führende Rolle zu verwirklichen, indem sie von den fortschrittlichen humanistischen Kulturgütern Besitz ergreift und die Entwicklung der sozialistischen Kultur sowie des geistigen Lebens unserer Zeit in entscheidendem Maße beeinflusst. Die Ausführung dieser großen Aufgaben wird vom VEB Papierfabrik Greiz durch  die  mannigfaltigsten   Einrichtungen   unterstützt.
Der Betrieb verfügt über eine größere Anzahl kultureller Einrichtungen, Kul­tur- und Klubhäuser, Versammlungs- u. Kulturräume, so das Klubheim „Göltzschtal" und das Kulturhaus „Richard Schiller", die auch der Öffentlichkeit zur Ver­fügung stehen, ferner für Versammlungszwecke den „Saal der Papiermacher". Der Betrieb hat allein im Jahre 1957 für Kulturarbeit 37 900,— DM ausgegeben. In der Nähe von Elsterberg liegt in einem idyllischen Talgrunde des Vogtlandes die Kölbelmühle. Sie wurde 1955 vom Betrieb übernommen und als Kinderferienheim, das den Namen „Willi Neumann" trägt, ausgestaltet, wobei zahlreiche  Kollegen Tausende freiwillige Aufbaustunden   leisteten.
Das Ferienheim „Höhenblick" auf dem Langen Berg in der Nähe von Ilmenau im Thüringer Wald wurde im Jahre 1956 pachtweise übernommen. Nach Durch­führung umfangreicher Reparatur- und Verschönerungsarbeiten bietet es nun als „Papiermacherbaude" unseren Werktätigen Erholung und Entspannung. In 14tägigen Durchgängen hat es Platz für jeweils 15 Personen.
Die Bücherei, deren Anfänge in die kapitalistische Zeit des Betriebes zurückgehen, hat nach der 1947 vorgenommenen Überprüfung einen ungeahnten Aufschwung erlebt. Sie ist, mit 3500 Bänden und der Hälfte der Belegschaft als Leser eine der aktivsten Betriebsbüchereien (an 3. Stelle der Deutschen De­mokratischen   Republik).
Das Technische Kabinett mit der Fachbücherei, 1957 eingerichtet, dient haupt­sächlich   der  Weiterbildung   der  Werktätigen.
Mit besonderer Liebe werden von unserem Betrieb seit Jahren Kinderfeiern veranstaltet, meist in Verbindung mit der Patenschule Irchwitz. Die Weihnachts­feier, der Kinder-Karneval und andere Kinderfeste erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
1957: acht Kinderfeiern  mit 1980 Kindern.
Kinderferienlager. In unserem Kinderferienheim „Willi Neumann" (Kölbel­mühle) verbringen jährlich 140 Kinder ihre Sommerferien, darunter in der Regel 20 westdeutsche  Kinder.
Neben Volkstanz, Gesang und Laienspiel wird ihnen auch durch Vorträge und Filme, auf Exkursionen gutes Allgemeinwissen vermittelt.
Betreuung der Betriebsveteranen: Die Arbeitsveteranen des Betriebes sind nicht vergessen. In Altersheimen und Krankenhäusern bieten ihnen unsere Kultur­gruppen Freude und Entspannung, ebenso bei Weihnachtsfeiern in den Wohn­bezirken der Nationalen  Front.  Für die Betriebsveteranen werden eigene Weihnachtsfeiern veranstaltet.

Dabei wird alljährlich eine Jahresabschlußprämie ausgezahlt, Jeweils vier unserer „Betriebsrentner" erhalten 14 Tage lang aus unserer Werkküche kostenloses Mittagessen.


Um die verschiedenen kulturellen Interessen der Werktätigen zu wecken und zu fördern, entstanden zahlreiche Gruppen und Zirkel, die der Pflege und Quali­fizierung auf mancherlei volkskünstlerischen und anderen Gebieten dienen. So besteht seit 1949 ein Werkchor und eine Volkstanzgruppe, später bildete sich eine Kindertanzgruppe, auch eine Gruppe für Harmonika- und eine für Laien­spiel. Ferner entstand unter den Lehrlingen ein Foto- und ein Modellbau-Zirkel. Zu den jüngsten Gründungen gehört das politisch- satirische Kabarett und die Schalmeienkapelle.
Der Gesunderhaltung der Werkangehörigen dient unter anderem die Förderung des Sports. Die 1950 gegründete Betriebssportgemeinschaft (BSG) wurde ständig ausgebaut. Auch der Kindersport wird gepflegt. Die BSG mit ihren verschiedenen Sektionen zählt heute über 200 aktive Mitglieder.
Beim Aufbau  der sozialistischen Gesellschaftsordnung  stehen  die volkseigenen Betriebe im  Mittelpunkt; von ihnen geht die Kraft aus, die auch auf anderen Gebieten die nötige Hilfe leistet und die für den Erfolg entscheidend ist. Ein   Mittel  des gesellschaftspolitischen   Wirksamwerdens   des  VEB   Papierfabrik Greiz ist der Abschluss von Patenschaftsverträgen.
Das große landwirtschaftliche Gut bei Irchwitz, das früher zur Papierfabrik ge­hörte, war eine betriebsfremde Einrichtung. Nach Übergabe an die Stadt Greiz Ende 1954 wurde daraus eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft gebildet, sie ist Patenbetrieb der Papierfabrik-
Auch wurde über eine handwerkliche Produktionsgenossenschaft, die der Tischler zu Greiz, die Patenschaft übernommen.
Ferner bestehen Patenschaften über soziale, kulturelle und politische Einrich­tungen.
„Was des Volkes Hände schaffen, soll des Volkes eigen sein". Das ist der Leitgedanke des Nationalen Aufbauwerkes (NAW) in der Deutschen Demokratischen Republik, an dem sich die Werktätigen der Papierfabrik in hervorragender Weise beteiligen.

Wie in allen volkseigenen Betrieben wurde auch in der Greizer Papierfabrik zum Schutze der sozialistischen Errungenschaften unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates eine Kampfgruppe gebildet.
In der Erkenntnis, daß beim Aufbau des Sozialismus der Schutz der Heimat gegen innere und äußere Feinde höchstes Gebot ist, haben außerdem seit 1951 bis April 1958 insgesamt 107 Jugendliche den Ehrendienst in den Reihen der Nationalen Volksarmee aufgenommen, um die Verteidigungsbereitschaft unserer Republik zu stärken.
Die Betriebszeitung des VEB Papierfabrik Greiz muss als eine der gehaltvollsten Betriebszeitungen unserer volkseigenen Papierindustrie bezeichnet werden. Sie ist am 1. Juni 1955 erstmalig erschienen, ihre Auflage beträgt 1000 Stück, das Exemplar kostet 5 Pfennige. Die von einem Kollektiv (ein hauptamtlicher Redakteur und neun ehrenamtliche Mitarbeiter) redigierte Betriebszeitung ist das Sprachrohr der Betriebsparteiorganisation  der SED und hat die Aufgabe,  alle Werktätigen mit den Lehren des Marxismus-Leninismus vertraut zu machen, sie im sozialistischen Sinne zu erziehen und ihr Bewußtsein zu wecken. Außerdem berichtet die Betriebszeitung über die Erfolge im Wettbewerb und auf allen Gebieten der Produktion. Aber auch Kritik an Mißständen, Arbeitsbummelanten, falschen und schädlichen Auffassungen wird geübt. Alle Kolleginnen und Kollegen der Papierfabrik haben die Möglichkeit, in ihrer Betriebszeitung über alle Probleme zu schreiben. „Der Papiermacher" will Freund und Helfer aller Werktätigen beim Aufbau des Sozialismus sein-
Überblicken wir die Entwicklung der Greizer Papierfabrik in den vergangenen zehn Jahren, die hier nur kurz skizziert werden konnte, so müssen wir höchste Achtung und Bewunderung all den Menschen entgegenbringen, die es so meisterhaft verstanden haben, den nunmehr ihnen gehörenden Betrieb nicht nur fortzuführen, sondern trotz aller Schwierigkeiten unter Berücksichtigung der gegebenen Verhältnisse zu einem vorbildlichen  Betrieb zu entwickeln.