Geschichte der Papierfabrik Greiz

 

 

Anmerkung:

In jeder Chronik stecken auch Ansichten des Autors und der herrschenden Gesellschaftsordnung.

Da der Webmaster am 1.09.1955 in der Papierfabrik mit seiner Lehre begann, und 42 Jahr hier tätig war, kann er die Chronik bestättigen.

Die Chronik wurde mit FineReader digitalisiert, kleine Lesefehler sind nicht auszuschließen. Die neue Rechtschreibung wurde nicht übernommen.

Webmaster: www.greiz-vogtlandperle.de

 

 

Zur Einführung

Die Greizer Papierfabrik, die im nächsten Jahr auf eine 370jährige Werksgeschichte zurückblicken kann, hat sich aus einer kleinen Pa­piermühle mit einer Bütte, einer Gründung in der Feudalzeit, zum Großbetrieb entwickelt.

Zwar sind erst zehn Jahre vergangen, seitdem das Werk Volkseigentum wurde. Und doch ist in dieser Zeit eine rasche Aufwärtsentwicklung auf produktionstechnischem, sozialem und kulturellem Gebiet zu verzeichnen; sie tritt besonders markant in Erscheinung, wenn wir die Gesamt­entwicklung des Betriebes seit seinem Bestehen überblicken.

Diese Schrift, die einer objektiven Darstellung der Geschichte der Greizer Papiermacher und ihres Werkes dienen soll, ist allen unseren Werksangehörigen gewidmet, sie, ist geschrieben für alle unsere Mitarbeiter und Freunde im In- und Ausland. Möge sie dazu beitragen, das Verhältnis kollegialer und freundschaftlicher Zusammenarbeit zu vertiefen.

Alfred Pissarek,

Werkdirektor des VEB Papierfabrik Greiz

Greiz, im Dezember 1958

Die weithin als führender Großbetrieb mit vielseitiger Produktion bekannte Greizer Papierfabrik liegt eigenartigerweise in einem engen Felstale, in welchem sich die Werksanlage etwa eineinhalb Kilometer lang hinstreckt. Wie wahrscheinlich an keinem anderen Orte sind hier die schweren Papiermaschinen nicht nebeneinander, sondern aus Raumnot übereinander, in mehreren Stockwerken liegend, aufgestellt. Diese und manch andere Besonderheiten dieser Papierfabrik, zumal auch die Mannigfaltigkeit der produzierten Papiersorten, finden ihre Erklärung in der über dreieinhalb Jahrhunderte währenden Geschichte des Werkes.

Wie bei allen Dingen des Lebens, so machen wir uns auch mit der Greizer Papierfabrik und ihren Produkten am zuverlässigsten und schnellsten vertraut, wenn wir sie zunächst einmal geschichtlich betrachten. Denn die Geschichte ist nicht nur unsere Lehrmeisterin bei der Gestaltung von Gegenwart und Zukunft, sie ist uns auch in so vielen Fra­gen eine uneigennützige und vielwissende Helferin. Verfolgen wir deshalb in großen Zügen die Arbeit und die wechselvollen Schicksale der Greizer Papiermacher von ihrem ersten Auftreten bis zur Gegenwart.

 

Gründung der Papiermühle.

Greiz gehörte im 16. Jahrhundert zum Gebiet der vier Reußischen Herrschaften, es war Sitz der Herrschaft Greiz (Reuß ältere Linie). Im Jahre 1589 erhielt der Papiermacher Hans Rot, dessen Herkunft nicht bekannt ist, von Heinrich II. von Untergreiz die Erlaubnis, bei Greiz auf herrschaftlichem Boden am Aubach „hinter der Stadt uff der Klatzschen" auf eigene Kosten eine Papiermühle zu errichten. Wie in alten Urkunden oft zum Ausdruck gebracht und ähnlich formuliert, hatte der Herr von Untergreiz diese Erlaubnis erteilt, weil er befunden, dass das Vorhaben Rots nicht nur zu dessen eigenem, „sondern auch zu unserer und unserer freundlichen, lieben Herren Brüder, Vettern und Gevattern, Herrschaften und Untertanen gemeinem Nutz und Besten gemeint sei". In den vier Reußischen Herrschaften hatte bis dahin eine Papiermühle nicht bestanden, so dass das Bedürfnis, im eigenen Lande Papier herstellen zu lassen, groß war. Denn seit Erfindung der Druck-

kunst war der Bedarf an Schreib- und Druckpapier überall ständig gestiegen.

Auf der Klatzsche stand damals ein Hammerwerk. Ob dieses von Hans Rot neben der Papiermühle anfangs noch weiter betrieben oder aber stillgelegt wurde, oder ob es bei Errichtung der Papiermühle evtl. schon eingegangen war, ist nicht bekannt. Dass an Stelle von Hammerwerken Papiermühlen errichtet wurden, kam gelegentlich auch anderwärts vor, z. B. 1599 zu Blankenburg in Thüringen. Eigenartig ist jedenfalls, dass der Papiermacher Hans Rot einen jährlichen Zins von 5 Wag Eisen entrichten musste. Dieser für eine Papiermühle befremdende Naturalzins wurde aber nach wenigen Jahren in einen Geldzins umgewandelt, er betrug um 1600 4 Gulden 1 Groschen.

Die Papiermühlen unterlagen wie alle sonstigen Mühlen und Manufakturen dem alten deutschen Regalrecht, nach dem solchen Werke ohne lehensmä­ßige Bindung an die zuständige Herrschaft in Form von Privilegien nicht betrieben werden konnten. Der Inhaber erhielt einerseits die Erlaubnis zum Betrieb des Werks, außerdem wurde ihm durch das Bannrecht Arbeit und Existenz gesichert und geschützt, andererseits hatte er als Gegenleistung bestimmte Abgaben, den „Zins" zu entrichten. In Greiz wurde, wie auch bei manchen anderen Papiermühlen, erst einige Zeit nach Errichtung der Papierwerkstätte das herrschaftliche Privileg erteilt. Das vom 8. März 1591 datierte Privileg für die Greizer Papiermühle ist seitens aller Herren Reuß ausgestellt und galt für sämtliche vier Reußischen Herrschaften: Greiz, Gera, Schleiz und Lo­benstein. Nach diesem durfte ohne Rots oder des­sen Erben und Nachkommen (Nachfolger) Zustimmung innerhalb des Gebietes der vier Herrschaften Reuß keine zweite Papiermühle errichtet werden; ferner hatte der Papiermacher das alleinige Recht, in diesem Gebiet Lumpen zur Papierherstellung sammeln zu lassen.

Der jährliche Lehnzins war in natura zu entrichten, er betrug „Zween Pallen gut Schreib und Canzley Pappier", die zu je ¼ Ballen (2400 Bogen) auf Kosten des Papiermachers in die Kanzleien von Untergreiz, Obergreiz, Gera und Schleiz zu liefern waren.

Die Städte, Landschaften und Untertanen aber waren  „um gebührliche  und gleichmäßige Bezahlung" mit dem benötigten Papier zu versorgen. Der Papierzins für die Feudalherren musste auf alle Fälle entrichtet werden, evtl. auch in fremdem Papier, wenn der Papiermacher „wegen Mangelung Wassers Selbsten nicht Papier machen konn­te". Aus dieser eigenartigen Bestimmung des Pri­vilegiums muss man schließen, dass den Herren, offenbar aber nicht dem unternehmungsfreudigen Papiermacher, die trotz der beiden angelegten Teiche ungenügende Wasserkraft des Aubaches bekannt war.

 

Die frühen Greizer Papiermacher

Vermutlich bildet die Tatsache, dass die Wasserkraft des Aubaches eine kontinuierliche Papierproduktion nicht gewährleistete, den Hauptgrund für den wiederholten Wechsel der Meister in den ersten Jahren des Bestehens der Papiermühle. Nach dem Tode von Hans Kot wurde das Papierwerk am 31. Januar 1600 von den Vormündern seiner Erben an den Kurfürstlich-Sächsischen Floßmeister Peter F i c k e r zu Niederauerbach um 415 Gulden verkauft. Ficker war nicht gelernter Papiermacher,

er besaß auch nicht die Niederauerbacher Papiermühle, die damals schon bestanden hatte, sondern war Unternehmer, der in der Papiermühle nur sein Kapital anlegte. Er besaß aber die Papiermühle zu Steinpleiß bei Zwickau. In doppelter Weise ist Peter Ficker von den Herren Reuß hinters Licht geführt worden. Für Heinrich V. von Untergreiz hatte er einen Schlossbauplan gefertigt, die ihm zugedachte „Ergötzlichkeit" bestand aber darin, daß ihm Heinrich V. zuredete, die Greizer Papiermühle zu erwerben, lediglich das Lehngeld (Gebühr bei Übertragung und Erneuerung eines Lehens) wurde ihm erlassen. So verkaufte denn Fikker die Steinpleißer und erwarb dafür die Greizer Papiermühle, die er durch einen Pächter betreiben ließ. Erst am 3. Januar 1614 wurde das Privileg auf ihn übertragen. Wir wissen, dass er mit mannigfachen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, denn Hans Rot schon war mit seinem Papierzins in Rückstand geraten. Er selbst war ebenfalls mit seinen pflichtmäßigen Papierliefe Hingen rückständig, obwohl er technische Verbesserungen des Werks hatte vornehmen lassen. Schon 1609 wollte er seinen eigenen Kauf rückgängig machen, bald aber fand er eine Möglichkeit, die unrentable Papierwerkstätte loszuwerden. Er tauschte am 11. 4. 1617 die Greizer gegen die Plauener Papiermühle ein, dadurch wurde Abraham Seidel, gelernter Papiermacher und Inhaber der Papiermühle zu Plauen im Vogtland, Meister auf dem Greizer Papierwerk.

Abraham Seidel kam auf der Aubachmühle aber auch auf keinen grünen Zweig. Aus den dauernden Anmahnungen der Reußischen Amtsstellen erfah­ren wir, dass er noch die von Rot und Ficker rückständigen Papierzinslieferungen aufbringen musste, man drohte ihm sogar — wie vormals schon Ficker — mit Entzug des Betriebswassers. Seidel vorkaufte am 9. Dezember 1626 die Papier­mühle an den Papiermacher Jakob Zschach. der sie bis zu seinem Tode 1634 betrieb. Es ist kein erfreuliches Bild, das uns die Verhältnisse der Greizer Papiermühle in den ersten 45 Jahren ihres Bestehens bieten. In den letzten Jahren, besonders unter Zschach, mögen auch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges einer günstigen Entwicklung des Betriebes hinderlich gewe­sen sein.

 

Der neue Standort der Papiermühle

Der Papiermacher Valentin Tischendorf, der am 3. Oktober 1634 die Papiermühle von den Erben Zschachs erworben hatte, erkannte sehr bald das Hauptübel, unter dem seine Vorgänger zu leiden hatten. Um nicht dem gleichen Schicksal zu verfallen, fasste er energisch den entscheidenden Entschluss, für die Papiermühle einen günstigeren Standort zu suchen. Ein solcher fand sich auch bald an der Göltzsch oberhalb von Greiz, einem Nebenfluss der Elster. Kurz vor ihrer Einmündung in die Elster lag eine Mahl-, Walk- und Ölmühle, die der Landesherrschaft Untergreiz gehörte und in Erinnerung an das dort ebenfalls früher gelegene Hammerwerk ,,Blechhammer" genannt wur­de. Tischendorf erwarb den Blechhammer mit Kaufbrief vom 1. Mai 1637 und richtete unter Verwendung der technischen Einrichtungen der Aubachmühle dort die Papiermühle ein. Vielleicht hatte er auch am neuen Ort vorgefundene Einrich­tungen übernehmen können, denn Walk-, Stampf-und Ölmühlen arbeiteten mit ihren Stampf werken nach den gleichen technischen Prinzipien wie die Lumpenstampfwerke  der  Papiermühlen.

 

 

 

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Das Tischendorf mit dem Erwerb des Blechhammers richtig und weitschauend gehandelt hatte, ist daraus ersichtlich, dass nicht nur sein eigenes Geschlecht mehr als 170 Jahre auf der Papiermühle wirken konnte, sondern die moderne, Weltruf genießende Papierfabrik heute noch an derselben Stelle steht. Im erwähnten Kaufbrief wird das Papiermühlen- und Lumpensammlerprivileg — „das von dem Rothen auf die vorige Pappierrnühle, beide in Lumpensammeln, sowohl das über dies keine Pappiermühl solle gebauet werden, erlangte Privilegium" — auf ihn und die an den neuen Ort verlegte Pa­piermühle übertragen.

Mit dem Kauf des Blechhammers war auch der Erwerb größeren Grundbesitzes verbunden. Zu den meisten Papiermühlen gehörte in alter Zeit ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb. Dieser bildete die Grundlage für die Beköstigung der nicht geringen Zahl von Personen, die in einer Papiermühle beschäftigt waren und dort oft auch wohnten, der Gesellen, Knechte, Mägde und sonstigen Hilfskräfte, mitunter auch der Lumpensammler und nicht zuletzt der manchmal großen Kinderschar. Und dass die Papiermacher hohe Ansprüche an das Essen stellten, wissen wir aus mancherlei Aufzeichnungen über „Lehrbraten", die anlässlich der Freisprechung von Lehrlingen veranstaltet wurden, vor allem aber aus Scheltsachen der Pa­piermachergesellen. Der Stammvater des Greizer Papiermachergeschlechts Tischendorf wie auch seine Nachfolger haben eine systematische Grundstückspolitik betrieben, so dass infolge der mehrfachen Erwerbungen zeitweise der landwirtschaft­liche Betrieb größere Bedeutung hatte als die Pa­piermühle. Dadurch war jedenfalls die Voraussetzung dafür gegeben, dass sich die Papierfabrik in kapitalistischer Zeit mühelos im Tal der Göltzsch nach Bedarf ausdehnen konnte.

 

Greizer Papiermachergeschlechter

Mit Valentin Tischendorf war auf der Greizer Papiermühle ein Papiermachergeschlecht eingezogen, das durch fünf Generationen im Besitz und in der Leitung des Werks bleiben sollte. Der erste Tischendorf hatte unter einem „unglückseligen Prozess" mit anderen Papiermüllern wegen des Lumpensammelns zu leiden. Seinem Sohn Hans (Johann) Tischendorf, der ihm 1676 folgte, (Erwerb in Erbauseinandersetzung am 7. Nov. 1676 um 1000 Gulden) gelang es, das alleinige Lumpensammelrecht aufrechtzuerhalten, Er bemühte sich, mit den vorgeschriebenen Papierlieferungen, die unter seinem Vater zuletzt ins Stocken geraten waren, wieder auf das laufende zu kommen. Nach seinem Tode übernahm wieder ein Sohn, Christian Tischendorf, die Papierwerkstätte, die er als Meister 1721—1753 leitete. Anschließend war Johann Christoph Tischendorf bis 1792 .,kunsterfahrener Pa­piermacher und Besitzer der Papiermühle bei Greiz". Im folgenden Jahre musste der erst 20jährige Sohn die Leitung der Papiermühle übernehmen, die nach dessen frühem Tode im Jahre 1806 zunächst von seiner Witwe fortgesetzt wurde, bis das Papierwerk nach 174jährigem Tischendorfschen Besitz durch Verkauf am 17. Februar 1808 in den Besitz des Geschlechts Günther gelangte. Die Tischendorf waren tüchtige Papiermacher; aus dem Greizer Papiermachergeschlecht stammt übrigens der durch die Entdeckung und Heraus­gabe des Sinaikodexes berühmte Leipziger Theologe   Konstantin   Tischendorf   (1815—1874),   dem zahlreiche Ehrungen zuteil wurden, und der in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste durch den russischen Zaren in den erblichen Adelsstand erhoben wurde. Ein Nachkomme der Greizer Papiermacher Tischendorf ist heute noch im Papierwarenhandel tätig und Inhaber des ersten Fachgeschäftes am Platze.

Christian Friedrich August Günther, der, aus einer sächsischen Försterfamilie stammend, in der Greizer Papiermühle gelernt hatte, erwarb nach Absolvierung der üblichen Wanderjahre das Werk für 15 000 Reichsthaler. Er wurde der Stammvater eines Papiermachergeschlechts, das 140 Jahre lang das Papierwerk bis zum Jahre 1948 innehatte.

Am 17. Juni 1863 verkaufte Christian Friedrich August Günther, der den Grund- und Waldbesitz ganz wesentlich vermehrt hatte, das Werk an seinen Enkel Franz Otto Günther um 25 000 Thaler. Franz Otto war wohl mit der Papiermacherei vertraut, die er im väterlichen Betrieb zu Waldenburg in Sachsen wie auch bei seinem Großvater in Greiz kennengelernt hatte. Er war aber nicht ge­lernter Papiermacher, sondern hatte nach zweijährigen Besuch der Gewerbeschule in Plauen eine kaufmännische Lehre in Glauchau durchgemacht. Das gereichte ihm nicht zum Schaden, sondern zum Vorteil, denn das Greizer Papierwerk musste sofort auf die längst fällige maschinelle Papierproduktion umgestellt werden. Nach dem frühen Tode Franz Ottos 1885 führte seine Witwe Julie Günther mit Hilfe des Geschäftsführers Jakob Jörg den Betrieb bis 1901 weiter. In den letzten sechs Jahren hatte Frau Julie Günther in ihren Söhnen tüchtige Mitarbeiter, Felix Günther übernahm die kaufmännische, Ernst Günther die technische Leitung des Betriebes, Während Ernst Günther seine akademischen Studien wieder aufnahm und sich später an der Universität Gießen habilitierte, übernahm Felix Günther ab 1901 als Alleininhaber der Firma Otto Günther die alleinige Leitung der Greizer Papierfabrik. Frau Julie Günther und Ernst Günther schieden zugleich als Teilhaber aus der Firma aus, stellten dieser aber nach wie vor ihr Kapital zur Verfügung. Das Dorf Irchwitz, zu dem die Papierfabrik verwaltungsmäßig gehörte, war zu Greiz eingemeindet worden. Unter Felix Günther, der im Volksmund „halb scherzend, halb bewundernd" der  „Fürst von Irchwitz" genannt wurde, erlebte die Papierfabrik einen gewaltigen Aufschwung, sie entwickelte sich zum Großbetrieb.

 

Greizer Papierergesellen

Zur Zeit der Handpapierherstellung hatte der angehende Papiermacher zunächst eine Lehrzeit von vier Jahren durchzumachen. Nach der unter Mitwirkung zweier benachbarter Meister und deren Gesellen vorgenommenen Freisprechung mit feierlichem „Lehrbraten" ging der Geselle auf Wanderschaft, um seine Fachkenntnisse in anderen Papierwerkstätten zu vervollständigen. Mit dem altüberkommenen Gruß „Mit Gunst von wegen's Hand­werk" trat er in die fremde Papiermühle zu Meister und Gesellen, zeigte an der Bütte sein Können und fragte nach Arbeit. Konnte man ihn nicht beschäftigen oder sagte ihm die angebotene Arbeit nicht zu, so zog er nach dreitägiger Gastfreundschaft zur nächsten Papiermühle, der er den Gruß der vorigen überbrachte. Auf diese Weise haben die wandernden Papierergesellen ohne große Kosten die Welt kennengelernt, konnten in dieser oder jener Mühle ihre Fähigkeiten weiter ausbilden, ihre Kenntnisse der Papierherstellung verbessern, bis sie da oder dort heirateten und ansässig wurden. Nicht wenige Gesellen sind aber bis ins hohe Alter auf Wanderschaft gewesen und haben die brauchmäßige Gastfreundschaft in den Papiermühlen in Anspruch genommen. So mancher arme Papierergeselle ist unterwegs in einer Papiermühle an einer Krankheit oder wegen hohen Alters gestorben.

Auch in Greiz kamen solche Fälle vor. 1759 starb Christoph Adam G a r e i ß , „ein alter Papiermacher-Gesell und Einwohner zu Irchwitz" im Alter von 74 Jahren. Nur wenige hatten das große Glück, Meister und Inhaber einer Papierwerkstätte zu werden, sei es, dass sie Meistersöhne waren oder aber eine Meisterstochter oder -witwe heirateten, sei es, dass sie Gunst und Geld oder auch „Beziehungen" genug hatten, um eine Neugründung wagen zu können. Hauptsächlich aus den Kirchenbüchern, gelegentlich auch aus Archivalien, erfahren wir, dass auch in Greiz fremde Gesellen kürzere oder längere Zeit arbeiteten und sich teilweise auch für dauernd niederließen.

Der Papiermachergeselle Hans Flock (oder Fleck) aus Zwickau, der in Greiz tätig war, hätte der Greizer Papiermühle beinahe ernstliche Konkurrenz gemacht. 1619 erhielt er nämlich im Widerspruch zum bestellenden Privileg von Heinrich dem Jüngeren in Gera die Berechtigung, an der Elster in Gera eine Papiermühle zu errichten. Der Plan kam jedoch nicht zur Ausführung, da Flock bald darauf starb und seine Witwe die bereits angeschafften Geräte wieder zu Geld machte. Von den Söhnen eines Meisters konnte immer nur einer die väterliche Papiermühle übernehmen und weiterführen. Hatte mehr als einer den angestammten Beruf erlernt, was öfter vorkam, so sind auch Meistersöhne als Gesellen auf der Mühle geblieben. Vom jüngsten Sohne Valentin Tischendorfs ist jedenfalls bekannt, dass er als Papiermachergeselle auf der Göltzsch-Mühle arbeitete und dort 1733 im hohen Alter gestorben ist. Martin Friedrich Tischendorf, ein Sohn Johann Christoph Tischendorfs, war, nach der Eintragung im Kirchenbuch, ebenfalls Papiermachergeselle, er starb, kaum 20jährig, im Jahre 1790. Von fremden Papierergesellen sei Andreas D e tt lof 

 

 

 

genannt, der sich mit einer geborenen Reyher aus Reinsdorf verheiratete und auch in Reinsdorf, dem Pfarrdorf der Papiermühle, wohnte. In den Jahren 1750 bis 1760 wird er mehrfach als „Papiermachergesell und Einwohner allhier" genannt. 1768 heiratete der aus dem Papiermühlenort Lehesten/Thür. stammende Johann Friedrich Neuin e i s t e r , eines Schuhmachers Sohn, die Tochter des Einwohners und Richters in Irchwitz. Als ihm ein Jahr später eine Tochter geboren wird, heißt es: „ein Papiermachergeselle, vorietzo in der Greizer Papiermühle". Später hat er in Irchwitz gewohnt. 1771 war er Besitzer der Papiermühle bei Zwickau, der „Erlemühle". 1797 erscheint er aber wieder als „Papiermachergeselle und Handelsmann in Greiz".

In den Jahren kurz nach 1800 arbeitete in der Papiermühle der Papiermachergeselle Christian Kindler, er war „Miteinwohner von Irchwitz" und mit einer geb. Zöpfel aus Lauterbach verheiratet.

Über die sozialen Verhältnisse, die in der alten Papiermühle herrschten, sind wir wenig unterrichtet, deshalb muss man für jede kleine Nachricht, die sich gelegentlich in Archivalien oder Kirchenbüchern findet, dankbar sein.

In den „Artikeln der Papiermacher", die sich in den Akten bei den Eingaben Tischendorfs von 1671 finden, ist auch etwas über den Lohn der Gesellen, „wie er vordem bräuchlich gewesen", gesagt: Da heißt es: „Dem Büttenknecht 9 Groschen zum Wochenlohn und 6 Pfennig vom Ries Stückwerk darüber; dem Gautscher 7 Groschen zum Wochenlohn und 5 Pfennig vom Ries Stückwerk darüber; dem Leger 7 Groschen Wochenlohn und 5 Pfennig vom Ries darüber; 3 Ries soll ein Gesell zum Tagwerk glätten und von einem Ries darüber 10 Pfennig. Dieser Wochenlohn ist von alters her gewesen. Wenn ein armer Meister auf einer kleinen Mühle wegen Wassermangels oder aus Armut nicht mehr als das Tagwerk machen kann, so soll der Geselle mit dem Wochenlohn vorliebnehmen; will ihm aber der Meister aus gutem Willen etwas mehr geben, so steht ihm dies frei, aber der Geselle soll keinen Zwang zu ihm haben, dass er ihm mehr geben sollt, als er verdienet; . . . mit Essen und Trinken sollen sie vorlieb nehmen mit dem, was das Haus vermag, und sollen nicht die Macht haben, es den Meistern vorzuschreiben; wems nicht gefällt, soll seinen Hoff weiter setzen."
 

 

 Von alten Papiermacherbräuchen
Die Papiermacher bildeten keine Zunft, dem stand vor allem die zerstreute Lage ihrer Betriebe entgegen. Nur gelegentlich kam es vor, daß sie sich gezwungenermaßen einer anderen Zunft anschlössen. Die Gemeinschaft der Papiermacher, mitunter als Bruderschaft bezeichnet, übte aber ihre eigene Professions- und Disziplinar-Gerichtsbarkeit aus; die Papiermacher betrachteten sich in beruflichen Dingen unabhängig von allen, den niederen wie den höchsten Behörden, sie erkannten auch nicht die Beschlüsse des Reichstages an. Ein Meister, der die ungeschriebene Ordnung der Papiermacher übertrat, wurde durch die wandernden Gesellen in Verruf erklärt, er wurde „gescholten". Kein Geselle, der „ehrbar" bleiben und weiterhin bei anderen Mühlen Arbeit bekommen wollte, durfte bei einem gescholtenen Meister länger als einige Tage arbeiten. Valentin Tischendorf wurde durch die Papiermacher von Plauen und Hof ohne ersichtlichen Grund 1645 gescholten, sie neideten ihm lediglich sein alleiniges Lumpensammeirecht in den Reuß'schen Gesamtlanden; sie wollten das Lumpensammeiprivileg nicht anerkennen. Andere Papiermacher schlössen sich dem Komplott an. Aus dieser Mißgunst der Fachkollegen entwickelten sich vielerlei Unzuträglichkeiten und ein Prozeß, der bis vors Reichskammergericht in Speyer kam. Der Streit, der Tischendorf viel Geld kostete, zog sich Jahrzehnte hindurch, dreimal fanden Papiermacherzusammenkünfte ohne und mit Tischendorf statt. Tischendorf war gezwungen, ohne fremde Gesellen zu arbeiten, worunter der Betrieb erheblieh leiden mußte. Aber er konnte ihn mit Hilfe seiner heranwachsenden Söhne und Töchter weiterführen. Immer wieder wandte sich der Greizer Papiermacher hilfesuchend an die Reußischen Behörden und bat um Schutz des Privilegs. Besonders interessant ist sein Gesuch um 1671, in welchem er vorschlägt und bittet, eine ordentliche Papiermacherzunft zu bilden, „dazu sich viele neue Meister in der Nachbarschaft und anderen abgelegenen
Orten mit begeben und mit mir zünftig werden wollen." Trotz des allgemeinen Boykotts sympathisierten also doch einige Berufskollegen mit Tischendorf. In seinem Gesuch bringt er zum Ausdruck, dass „solch ein Werk nicht allein hochnötig und nützlichst, sondern auch dem ganzen hochherrlich Reußischen Namen zu einem unsterblichen Ruhm und ewigen Gedächtnis gereichen kann". Tischendorf musste jedoch froh sein, dass sein Privileg unangetastet blieb. Alle seine ausführlichen, von überaus klarer Einsicht und Erkenntnis der Verhältnisse zeugenden Vorschläge zur Bekämpfung der Missbräuche im Papiermacherhandwerk nutzten nicht. Die eingefleischten Papiermacherbräuche, die auch der Reichsschluß vom 20. Juni 1731 nicht beseitigen konnte, herrschten noch bis zum Ende der Handpapierzeit.

 

Die technische Einrichtung und Leistung der Papiermühle

Über die Produktionseinrichtungen ist in den Archivalien leider wenig überliefert, immerhin lassen sich einige Anhaltspunkte gewinnen. Es darf wohl angenommen werden, dass in der frühen Zeit, als die Papiermühle noch auf der Klatzsche stand, mit einem einfachen deutschen Geschirr und einer Bütte gearbeitet wurde. Das wird zunächst auch noch unter Valentin Tischendorf nach der Verlegung des Werks an die Göltzsch so gewesen sein. Vielleicht hat er aber, evtl. unter Verwendung der Einrichtungen der Stampf-, Walk- oder Ölmühle, ein zweites Geschirr aufgestellt. Jedenfalls hat sein Sohn Hans Tischendorf noch zu Lebzeiten des Vaters ein weiteres Geschirr gebaut, so daß die Greizer Papiermühle damals vielleicht sogar drei Geschirre hatte und somit nicht mehr zu den kleinen Papiermühlen zu rechnen war. Offenbar hatte Valentin Tischendorf trotz der Ungunst der Zeit (Drei­ßigjähriger Krieg) und der langwierigen Kämpfe um Aufrechterhaltung seines Privilegs seinen Betrieb doch verbessern können; auch seinen Grundbesitz konnte er etwas vermehren. Wahrscheinlich hat Valentin Tischendorf zum Glätten eine Schlagstampfe verwendet, was aus seinem warmen Eintreten für diese technische Neuerung im Papierbetriebe zu entnehmen ist. Er war demnach ein „Stampfer" und hatte vermutlich deshalb die jahrelangen Anfeindungen seiner „Glätter"-Kollegen auszustehen.

Bemerkenswert ist, dass Valentin Tischendorf u. a. sogenanntes Doppelpapier fertigte, d. h. starkes Papier für Aktenumschläge, das dadurch gewonnen wurde, dass zwei Bogen im feuchten Zustande zusammengegautscht wurden.

Johann Christoph Tischendorf hatte Mitte des 18. Jahrhunderts einen Hadernschneider aufgestellt und sich gleichzeitig in Ausnützung des neuen Wasserrades auch einen Mahlgang genehmigen lassen, um für den eigenen Bedarf selbst Korn mahlen zu können. Wann allerdings der Holländer in Greiz Eingang gefunden hat, lässt sich nicht genau feststellen. Vielleicht wurde ein solcher ebenfalls unter Johann Christoph, sicher aber unter Gottfried Heinrich Tischendorf, erstmals verwendet. Gottfried Heinrich hat wahrscheinlich den großen Bau mit den für Papiermühlen so charakteristischen Dachluken der Trockenböden errichten lassen, welcher bis gegen Ende des 19. Jahr­hunderts noch das die ganze Fabrikanlage beherrschende Gebäude war. Wahrscheinlich ist schon vor

1800 mit zwei Bütten gearbeitet worden, genaueres darüber ließ sich noch nicht ermitteln.

Was wissen wir nun über die Greizer Papiere, die gefertigten Sorten, ihre Preise, Vertrieb des Papiers usw.? Bis zum letzten Tischendorf sind nie Klagen über Greizer Papiere bekannt geworden, die erhaltenen Produkte der Greizer Papiermühle geben auch zu Beanstandungen keinen Anlass.

Johann Christoph Tischendorfs Erzeugnisse sind sogar zu den besten der damaligen deutschen Papiermühlen zu rechnen, sie standen beispielsweise den Papieren von Hof und Selb nicht nach, sie haben diese in den 1770iger Jahren an Güte sogar übertroffen. Aber in den 1790iger Jahren hört man erstmals von Klagen über Greizer Papiere. Die Produkte Gottfried Heinrich Tischendorfs, unter denen sich zwar tadellose Papiere finden, zeigen in der Tat gegenüber den früheren teilweise eine Qualitätsminderung. Der Papiermacher gibt unumwunden zu, dass er neben Kanzlei- und Konzeptpapieren auch weniger anspruchsvolle Sorten, z. B. Lösch-, Pack- und vor allem Druckpapier für die Druckereien herstelle, um existieren zu können.

Im übrigen verweist er auf den wohlfeilen Preis seiner Schreibpapiere. Kanzlei koste bei ihm 1 Lbthr. (Laubthaler) das Ries, Konzept 1 fl. (Gul­den) 4 gr. bis 1 fl. 6 gr. Demgegenüber koste das Weidaer Kanzleipapier 1 fl 18 gr. Christian Friedrich August Günther hatte gemäß dem unterm 18. August 1808 bestätigten Privileg statt 20, nur noch 16 Ries Papierzins zu entrichten. Er war aber verpflichtet, wie das von anderen Papiermühlen auch bekannt ist, außer dem Zinspapier der Landesherrschaft für ihren Bedarf die benötigten Mengen zu einem vertragsmäßig festgelegten niedrigeren als dem üblichen Preis zu liefern. Wenn Löhne und Materialpreise stiegen, musste das starre Festhalten an den Vertragspreisen zu dauernden Verlusten des Herstellers führen. 1812 betrug der Vertragspreis für Kanzleipapier 1 Thlr. 8 gr., für Konzeptpapier 22 gr., während die Preise bei Keferstein in Weida 3 Thlr. bzw. 1 Thlr. 8 gr. betrugen, beim Papierhändler in Gera aber 2 Thlr. bis 3 Thlr. 15 gr. bzw. 1 Thlr. 6 gr. bis 1 Thlr. 12 gr. Günther erreichte immerhin eine Erhöhung, wenn auch nicht auf den sonst üblichen Preis, er hatte dann zu 1 Thlr. 18 gr.

bzw. 1 Thlr. 3 gr. zu liefern. Es konnte nicht ausbleiben, dass der Papiermacher seine Verluste durch Qualitätsminderung auszugleichen suchte, so dass er 1824 „bei Vermeidung unangenehmer Maßnahmen" angehalten wurde, gut geleimtes, nicht durch­schlagendes Kanzleipapier zu liefern. Es wäre gewiss verfehlt, aus den seit Ende des 18. Jahrhunderts gelegentlich auftauchenden Kla­gen über die verminderte Qualität Greizer Papiere etwa den Schluss ziehen zu wollen, dass die Papier­macher schlechte Vertreter ihres Faches waren. Letzteres ist keineswegs zutreffend. Vielmehr macht sich hier die aufkommende Konkurrenz be­merkbar, die erschwerten Existenzbedingungen, schließlich der behördliche Zwang, zu einmal festgesetzten Preisen auch unter vollkommen veränderten wirtschaftlichen Bedingungen Papierlieferungen auszuführen.

Gegen das Ende der Handpapierzeit bedeutete das schattenlose Papier einen gewissen Fortschritt. Bei diesem fehlten die sonst üblichen Schatten entlang den Stegen, die durch stärkere Stoffansammlung an diesen Stellen entstanden. Unter Christian Gün­ther wurden solche schattenlosen Papiere erzeugt, wozu auf besondere Art gefertigte Formen erforderlich waren.

Auch ungeripptes, sog. Velinpapier hat Günther hergestellt. Das Velinpapier, das die letzte Blüte der Handpapiermacherei darstellt, und in Herstellung und Charakter den Übergang zum Maschinenpapier bildet, ist in Greiz verhältnismäßig früh nachgewiesen. Es wurde mindestens ab 1815 gefertigt, während in Deutschland erstmals 1795 zu Spechthausen solches herzustellen gelungen war. Nach einem Kontokorrentbuch aus dem Jahre 1834 hatte die Greizer Papiermühle 128 Kunden. Neben Abnehmern ganz kleiner Posten finden sich in der Kundenliste einige Großabnehmer, so der Papiergroßhändler Ferdinand Flinsch in Leipzig, der Begründer des weltbekannten Papiergroßhandelshauses Flinsch, der mit 21,6 Prozent des Gesamtumsatzes figuriert. Andere größere Kunden in Leipzig waren die Papiergroßhandlungen Sieler & Vogel und C. D. Löscher, die Hinrichsche Buchhandlung, schließlich die Tabak- und Zigarettenfirma Kreller & Co. Von den Gesamtlieferungen im Werte von 9 059 Thaler entfielen allein auf diese Leipziger Großabnehmer  3 765  Thaler, das  sind 41,5 Prozent des geldmäßigen Gesamtumsatzes, der mengenmäßige Umsatz war unter Berücksichtigung der Preisnachlässe wahrscheinlich etwas höher.

Neben den Leipziger Großhändlern treten als wichtige Kunden einige Großverbraucher auf, große Textilfirmen in Gera, die mit 1807 Thaler etwa 20 Prozent der Gesamtlieferungen in Anspruch nahmen. In Greiz dagegen war der Hauptabnehmer die Henningsche Buchdruckerei, die für 414 Thaler Papier bezog. Daneben treten mit kleineren Beträgen verschiedene Kaufleute und Gewerbetreibende in Erscheinung, auch Ärzte, Apotheker; auch der Stadtmusikus bezieht sein Notenpapier für 8 Thlr. 16 gr. aus der Papiermühle an der Göltzsch. Alles in allem wurde an Greizer Privatkunden für 1180 Thlr. geliefert, an den fürstlichen Hof für 853 Thlr. Auch zwei Spinnereien im benachbarten Mylau bezogen insgesamt für 610 Thlr. Greizer Papier. Nur etwa 6 Prozent gingen in kleinen und kleinsten Posten in die nähere und weitere Umgebung von Greiz.

Aus der Liste der Kunden können wir schon schließen, welche Papiersorten damals in Greiz hergestellt.

wurden. Wir müssen staunen über das für jene Zeit außergewöhnlich vielseitige Fabrikationsprogramm. Da haben wir zunächst die üblichen Schreibpapiere, hauptsächlich Kanzlei-, Konzept- und Postpapier. Das gewöhnliche Kanzleipapier kostete 2 Thlr. 12 gr. das Ries, das Herrenkanzlei mit dem Reußischen Wappenlöwen als Wasserzeichen aber 3 Thlr. 8 gr. Der Preis für das sog. Muschelpostpapier betrug jedoch 4,5 Tha­ler, bei Großformaten 5 Thaler 15 Groschen. Auch feines Velinpapier wurde in Greiz hergestellt, das Ries zu 6 Thaler. Die Papiermühle war also, technisch gesehen, in jeder Hinsicht auf der Höhe der Zeit.

Das Konzept wurde in zwei Sorten gefertigt, die einfachere Sorte hieß Küchenkonzept; beim Druckpapier unterschied man das mittelweiße Median vom feinen Velinmedian. Das feine Notenpapier wurde in Royalformat hergestellt (Notenroyal, Strumpfnoten). Greiz hat Notenschreib- und Notendruckpapier hergestellt. Für die Textilindustrie wurden weiße Umschlagpapiere in zwei Qualitä­ten geliefert, daneben kommen auch blaue und braune Einschlagpapiere für die gleichen Abnehmer vor, echtrotes Tabakpapier für Kreller & Co., ferner Schrenz für einfachere Einwickelzwecke, schließlich auch Pappen für die Buchbinder. Für die Textilindustrie wurden die Einschlagpapiere in größeren als den üblichen Formaten geliefert. Bei den Bezeichnungen „Pollemitt" und „Berracan" handelt es sich um Sonderformate, die auf das Einschlagen bestimmter Stoffe abgestellt waren, und davon ihre Namen bekamen. Pollemitt wurde in Größe von 80X125 cm, Berracan 65X90 cm hergestellt, das Ries kostete bis zu 25 Thaler. Diese Formate entsprachen also etwa den Doppelformen von Propatria und Royal. Mit derart großen Formen konnte nicht so rasch geschöpft werden wie mit Formen normaler Größe. Daher erklärt sich auch die, riesmäßig gerechnet, verhältnismäßig geringe Leistung der Greizer Papiermühle. Sie betrüg ca. 3 500 Ries im Jahre 1834, also etwa 12 Ries je Tag, bei zwei Bütten, einer großen und einer etwas kleineren. Demgegenüber rechnete man sonst bei einer Bütte mit einer Tagesleistung von etwa 10 Ries.

Während die Berechnung des Papiers nach Gewicht der modernen Zeit angehört, finden wir in Greiz damals schon Ansätze dazu, das Gewicht zu berücksichtigen, so, wenn bei den Angaben über „fein weiß Pollemitt" oder Berracan vermerkt ist, „etwas leichter" oder „etwas schwerer". Nach einer Notiz C. F. A. Günthers sollte das gewöhnliche Konzeptpapier 13 rheinische Pfund, das sind 6,5 kg, je Ries wiegen. Günther stellte wohl ab und zu das Gewicht fest, aber nur zur eigenen Kontrolle; damals rechnete man noch allgemein in altgewohnter Weise nach der Bogenzahl in Ries und Ballen. In der Preisberechnung des Papiers für die Großabnehmer huldigte man bereits ganz modernen Gewohnheiten, die wohl der maschinellen Papierproduktion entsprechen, bei den alten Herstellungsmethoden jedoch nicht angebracht waren. Während der übliche Riespreis für Herrenkanzlei z. B. 3 Thlr. 8 gr. betrug, bezog Sieler & Vogel sowie C. D. Löscher dieses Papier zu 2 Thlr. 15 gr. 16 Pfg., Flinsch sogar zu 2 Thlr. 14 gr. 4 Pfg., das entspricht einem Preisnachlaß für die Großhändler von 19 Prozent bzw. 22 Prozent, der produktionstechnisch im Handbüttenbetrieb in keiner Weise gerechtfertigt war. Das ist eine typische Erscheinung der Übergangsperiode von der handwerksmäßigen zur maschinellen Papiererzeugung, die solche Unausgeglichenheiten mit sich brachte. Vielleicht war der Großhändler- oder Großabnehmer-Rabatt in den wenigen damaligen Maschinenpapierfabriken, mit denen die Papiermühlen mehr und mehr in scharfer Konkurrenz standen, schon üblich oder doch in anderen entwickelten Industrie­zweigen.

 

Greizer Wasserzeichen

Wenn wir die lange Reihe Greizer Wasserzeichen überblicken, die in der mehr als zweieinhalb Jahrhunderte dauernden Zeit der Handpapierherstellung verwendet wurden, so fällt das Vorherrschen heraldischer Zeichen mit dem Wappen Reuß oder Embleme aus diesen ohne weiteres in die Augen.

Es war üblich, daß der Papiermacher vor allem das Wappen des Feudalherren, ohne dessen Privileg er seine Mühle ja nicht betreiben konnte, in Ergebenheit und devoter Anerkennung der bestehenden rechtlichen, wirtschaftlichen, sozialen Abhän­gigkeitsverhältnisse als Wasserzeichen in seine Papiere setzte — wenn ihm dies nicht ausdrücklich vorgeschrieben war. In Greiz sind nie Vorschriften über das Führen von Wasserzeichen gemacht worden.

Das älteste bekannte Wasserzeichen der Papiermühle Greiz, das aus dem ersten Jahr ihres Bestehens datiert und die Jahreszahl 1589 trägt, stellt das heraldische Reußische Wappen dar. Meister Hans Rot hat in der Umschrift bescheiden seine Initialen HR eingeflochten. In der Folgezeit erscheint der aufrechte Reußische Löwe auch im einfachen Schild und in vielen Abwandlungen der Gestaltung des Zeichens. Später, besonders unter den Tischendorf, tritt auch das große vierfeldige Reußwappen auf. Valentin Tischendorf hat es in seinen etwas gelblichen Papieren seit 1636 bis zu seinem Tode verwendet. Das überaus reizvolle heraldische Wappenfiligran ziert insbesondere seine tadellos gearbeiteten Kanzleipapiere. So finden wir es in hohen Reskripten, auch in Patenten, Mandaten über die Papiermühle, Tischendorf selbst benützt solche Papiere zu seinen Eingaben an die Landesherrschaft, sie wurden auch zu den Kirchenbüchern von Greiz und Gera, zu den Rechnungen der Herr­schaft Greiz und zu den Ratsrechnungen der Stadt Greiz benutzt.

Außer dem kunstvollen Helmwappen führte Valentin Tischendorf auch den Löwen im gekrönten Doppelkreis als Wasserzeichen. Unter Hans Tischendorf erscheint das quadrierte Wappen nur mit einer Grafenkrone, schließlich im einfachen Schild. Er zeigt im Wasserzeichen auch den Reußlöwen allein in gekröntem Schild. In künstlerischer Freiheit hat der Papiermacher schließlich ein geteiltes Wappen geschaffen mit dem Löwen im oberen Feld, seinen persönlichen Initialen HT im unteren Feld. Erstmals erscheint jetzt auch eine persönliche Marke des Papiermachers ohne jeglichen Hinweis auf den Lehensherrn der Papiermühle in einem Zierschild (HTI). Sein Sohn Christian Tischendorf tritt mit anderen Wasserzeichen-Neubildungen auf den Plan. Von ihm stammt ein Prunkwasserzeichen, das das große heraldisch gezeichnete quadrierte Reußwappen zwischen Zierzweigen mit zwei Löwen als Schildhaltern zeigt. Ein Prachtstück alter Wasserzeichenkunst. Erstmals wird von ihm als Pendant zum Löwenzeichen die in Süddeutschland viel verwendete Schlange am Kreuz benutzt, mit und ohne seine Initialen CT im Sockel. Seine CT-Marke begegnet

uns 1740 auch selbständig als Gegenzeichen zu einem Kranich im gekrönten Oval zwischen Zweigen. Von da an begegnet uns der Kranich öfter im Wasserzeichen, er ist neben dem Löwen das andere Bild aus dem großen Reuß-Wappen (redendes Zeichen, wegen der Herrschaft Kranichfeld). Der Papiermacher benützt auch die anderwärts oft vorkommende Ankermarke. Zu seiner Zeit erscheint erstmals im Postpapier das Posthorn zwischen Zweigen mit einem, seine Namenbuchstaben CTD enthaltenen Schriftband (altdeutsche Silbentren­nung: Christian Tischen Dorf). Als Gegenmarke erblicken wir ein G, das auf den Ursprungsort hindeutet. Gegenzeichen, die anderwärts schon seit Mitte des 17. Jahrhunderts vorkommen, treten in Greiz erst unter Christian Tischendorf erstmals in den 1730er Jahren auf.

Sehr hübsch gezeichnet erscheinen in den Papieren von Johann Christoph Tischendorf Löwe und Kranich, jeweils in gekröntem Schild zwischen Zweigen in den beiden Bogenhälften als Filigran, und zwar abwechselnd (sog. Wechselformen). Das Zeichen mit der Kreuzschlange versieht er im Sockel mit seinen ICT-Initialen. Dieses fromme Filigran hat Konstantin Tischendorf in Erinnerung an seine papiermachenden Vorfahren bei seiner Erhebung in den Adelsstand in sein persönliches Wappen aufgenommen. Nun kommt der Reußische Wappenlöwe auch ohne Schild und ohne jegliche Beigabe vor.

Vermutlich waren die Tischendorf ihre eigenen Formmacher und haben ihre Zeichen aus Kupferdraht selbst auf ihren Schöpfformen angebracht. Unter Gottfried Heinrich Tischendorf war die alte Wasserzeichenkunst auf einem toten Punkt angelangt, in allen seinen Papieren erscheinen nur noch die reizlosen, freistehenden Initialbuchstaben GHT. In den Güntherschen Papieren aus der Zeit von 1808 bis 1865 begegnet uns sehr häufig wieder der zum Streit gerichtete Löwe aus dem Reußwappen, er kommt im gekrönten Schild in mehreren Variationen, auch frei auf einfacher Sockelleiste oder eines der Hinterbeine auf ein Podest setzend, vor. Als Gegenzeichen ist ein G, als Versalie oder in lateinischer Kursivschrift, verwendet, das als Günther wie auch als Greiz gelesen werden kann. Daneben finden wir aber auch analog die Kursivini­tialen CG Günthers. Wie bereits oben erwähnt,

enthielt besonders das Herrenkanzleipapier das Lö­wenwasserzeichen, weshalb es auch „Löwenkanz­lei" genannt wurde.

Ferner kommt unter Christian Günther der Schwan auf Schilfsockel als Wasserzeichen vor, ein bei mitteldeutschen Papiermühlen in dieser Zeit wie­derholt anzutreffendes Motiv, das für Schreib- und Briefpapiere Verwendung fand, also in keiner be­sonderen Beziehung zur Greizer Papiermühle stand.

Wie wir schon sahen, hat Günther auch Velinpa­pier hergestellt. Schlicht setzte er als Wasserzei­chen seinen Geschlechtsnamen und den Ortsnamen in lateinischer Kursivschrift jeweils unten in die äußeren Ecken der beiden Blätter des Bogens. Aus den 1850er Jahren ist Reußisches Stempelpa­pier bekannt, das wahrscheinlich aus der Greizer Papierfabrik stammt. Sein Schriftwasserzeichen lautet: „FÜRSTENTUM REUSS J. L.", die Schrift läuft über den ganzen Bogen. Es handelt sich um geripptes Papier. Dasselbe Wasserzeichen er­scheint mit doppelstrichig gezeichneten Buchsta­ben wie auch als Vollwasserzeichen mit schönen breiten „gefüllten" Buchstaben.

Mit Aufstellung der ersten Papiermaschine in Greiz 1865 war das Ende des alten Büttenpapiers und damit der an Beziehungen mannigfacher Art, an Motiven und künstlerischer Gestaltung so reichen Wasserzeichen gekommen.

 

Das Maschinenzeitalter beginnt — der Plan Kefersteins

Der Papiergroßhändler Ferdinand Flinsch, Leipzig, hatte klar erkannt, daß die alte Papiermacherei gegenüber der aufkommenden Papiermaschine sich nicht mehr lange werde halten können. Seinem Geschäftsfreund Günther in Greiz riet er deshalb, sich auf Maschinenbetrieb umzustellen, vielleicht war Flinsch auch bereit, sich mit Kapital zu beteiligen. Das war um 1830. Die Frage „Papiermaschine" wurde in Greiz zwar ernsthaft erwogen, zu einer Verbindung mit Flinsch und auch zur Aufstellung einer Maschine ist es damals jedoch noch nicht gekommen. Kein Geringerer als der Erfinder der ersten deutschen Papiermaschine, Adolf Keferstein in Weida, hatte einen Plan für den Einbau einer  Papiermaschine in Greiz angefertigt.

Der Plan, dessen getreue kolorierte Kopie im Deutschen Papiermuseum zu Greiz verwahrt wird, ist aber nicht zur Ausführung gelangt. Es war vorgesehen, an Stelle von 8 Loch Stampfgeschirr und 2 Holländern, die den Stoff für 2 Bütten lieferten, die größere Bütte und 4 Loch Stampfgeschirr beizubehalten, daneben aber eine „Maschine, die Papier ohne Ende" liefert, einzurichten. 4 Halbzeug-und Ganzzeug-Holländer sollten für den kombinierten Bütten- und Maschinenbetrieb arbeiten. Woran die damals geplante Umstellung des Betriebes scheiterte, ist nicht bekannt, wahrscheinlich bedingten die Familienverhältnisse, dass einstweilen auf der alten technischen Grundlage weiter gearbeitet wurde.

 

Entwicklung zur Papierfabrik

Erst ein Menschenalter später kam es in Greiz zur Aufstellung einer Papiermaschine, die von Köhler in Nossen geliefert wurde. Man brachte sie im alten Papiermühlengebäude unter, wo bereits die Maschine Kefersteins aufgestellt werden sollte. Der Raum maß nur 2,5X20 m. Nun konnten immerhin bei 12stündiger Arbeitszeit 500 bis 600 kg Papier erzeugt werden gegenüber einer vorherigen Tagesleistung von kaum 100 kg. Allerdings wurden jetzt im Gegensatz zu den handgeschöpften feinen Hadernpapieren durchweg geringe Sorten gefertigt, zumal nach Übergang zur Verwendung von Holzschliff: Bunte Einschlagpapiere für die Greizer und Geraer Textilindustrie, einfache farbige Papiere für die Zigarren- und Tabakfabriken, schließlich einfache Hülsenpapiere zu den in den Spinnereien gebrauchten Garnhülsen. Der Geldwert je Produktionseinheit sank daher etwa auf die Hälfte. Trotzdem konnten bald schon betriebliche Verbesserungen vorgenommen werden, unter anderem wurde 1869 ein neues Gebäude für die Papiermaschine mit Kosten von 2 200 Thalern er­richtet. Eine Wiede'sche Dampfmaschine von 30 PS wurde aufgestellt. Nun betrug die Tagesleistung etwa 900 bis 1000 kg.

Die Günther hatten anscheinend von Anfang an ihr Lumpensammlerprivileg nicht nur für eigene Produktionszwecke weidlich ausgenutzt, sondern mit Hadern einen umfangreichen Handel, besonders mit dem „Ausland", getrieben. Die Einnahmen aus dem

Lumpenhandel scheinen nicht unbedeutend gewesen zu sein. Noch in den 1860er Jahren lässt Günther, auf sein Privileg pochend, Lumpen beschlagnahmen, die einige Weber in Greiz ohne seine Erlaubnis sammelten und verkaufen wollten. Erst mit dem 1. Januar 1873 erlosch das Privileg, das den Greizer Papierherren eine Monopolstellung im Lumpenhandel gesichert hatte. Das Werk war in den Gründerjahren der konjunkturbedingt gesteigerten Nachfrage vollauf gewachsen, man konnte aus den Gewinnen weitere Neu­bauten (Sortier-, Pack-, Preßsaal) ausführen lassen, und an Stelle der letzten Wasserräder eine Turbine anschaffen. Die hölzernen Holländer wurden durch solche aus Eisen ersetzt. Damals entstand auch ein neues Wohngebäude, während das alte zu Betriebszwecken Verwendung fand. Auch als nach dem Tode Otto Günthers — 1885 — seine Witwe Frau Julie Günther mit Hilfe erfahrener Fachleute das Werk weiterführte, bis sie es in die Hände der Söhne geben konnte, wurde systematisch am Aufbau der Papierfabrik gearbeitet. An Stelle des Bogenglättwerks trat ein Kalander von Hauboldt  mit  10  Walzen,   eine  Querschneidemaschineschine kam zur Aufstellung; man ging schließlich zum durchgehenden Tag- und Nachtbetrieb über, wobei elektrische Beleuchtung eingerichtet wurde. Da das Wasser der Göltzsch durch die oberhalb gelegenen Industriewerke derart stark verunreinigt wurde, daß es als Fabrikationswasser nicht mehr zu gebrauchen war, wurde fernab ein Brunnen gebaut und das Wasser zur Fabrik geleitet. All diese technischen Verbesserungen und die damit zusammenhängenden baulichen Erweiterungen wurden aus Geschäfts-Gewinn, nicht zuletzt aber auch auf Grund der früheren Grundstückspolitik finanziert, denn die ehedem zum Teil wahllos zusammengekauften Grundstücke konnten jetzt sehr günstig abgestoßen werden.

Durch Einführung der Nachtarbeit war um 1890 die Produktion verdoppelt worden. Auf der alten Maschine erzeugte man täglich 2000 bis 2500 kg einfache farbige Papiere. Mit Aufstellung der zweiten Papiermaschine, die Gustav Toelle in Niederschlema baute, stieg 1895 die Produktionsfähigkeit der Greizer Papierfabrik auf mindestens das dreifache. Man bemühte sich, allmählich zur Fa­brikation besserer Sorten überzugehen und baute deshalb einen neuen Brunnen an der Elster, der allerdings nicht die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllte. Die Wasserfrage sollte noch lange eine wichtige Rolle spielen 

 

Der neuzeitliche Großbetrieb

Im Vergleich zu ähnlichen Papierfabriken war in Greiz der Übergang zur maschinellen Papiererzeugung sehr spät vollzogen worden, da standortbedingte Schwierigkeiten — die geringe Ausdehnungsmöglichkeit, Mangel an geeignetem Fabrikationswasser und andere — überwunden werden mußten.

Als nun 1895 die Brüder Felix und Ernst Günther die Leitung der Fabrik übernahmen, war sie aus bescheidenen Anfängen doch schon einigermaßen entwickelt worden. Die wirtschaftliche Entwicklung, vor allen Dingen der immer stärker werdende Einzug der Technik in die Industrie, brachte es mit sich, daß auch die Papierfabrik Greiz eine in den nächsten Jahrzehnten stetige Vergrößerung erfuhr.

Eine der Voraussetzungen für die Vergrößerung des Betriebes war der Anschluss an das Reichsbahn­netz, welcher 1911 durchgeführt wurde. 1912 folgte dann eines der größten Bauvorhaben, mit der gleichzeitigen Aufstellung und Inbetriebnahme der dritten Papiermaschine, zu gleicher Zeit wurde auch die Umstellung der Wasserversorgung aus dem Flussbett der „Weißen Elster" vorgenommen. In den ersten Jahren nach dem Weltkrieg 1914—18 erfolgte die Errichtung einer kleinen Holzschleiferei, sowie die Vergrößerung des Kessel- und Maschinenhauses. Es folgte dann die Aufstellung der Papiermaschinen IV und V im Jahre 1925 und 1929. Hier ist besonders erwähnenswert und wohl erstmalig, dass diese Papiermaschinen nicht zu ebener Erde, sondern aus Platzmangel im dritten und vierten Stockwerk Aufstellung finden mussten. Als letzter größerer Bauabschnitt ist die Aufstellung der Papiermaschine VI 1932 zu nennen. Im Jahre 1936 wurde die Papierfabrik Ilfeld gekauft, und einige Jahre später die kleine Schleiferei in Wilzschmühle/Erzgebirge. In dieser Größe blieb der Betrieb Greiz bis zur Übernähm in das Volkseigentum.

Das Produktionsbild dieser Zeit war geprägt durch das weit über die Grenzen bekannte Sortiment. Vor allen Dingen wurden die verschiedenartigsten Umschlagkartons und Papiere, technische Spezialpapiere und besonders Effektpapiere erzeugt, und z. T. von dem reichhaltigen Lager „bogenweise" verkauft. Besonders hervorzuheben ist, dass als erster Betrieb in Deutschland die Greizer Papierfabrik seit 1932/33 Hollerithkarton herstellte, der bis dahin aus Amerika importiert werden musste. Ebenso waren die gekreppten Papiere als besondere Spezialität für die Greizer Papierfabrik bekannt.

 

Kriegs- und Nachkriegszeit

Auch der zweite, Weltkrieg ging an der Greizer Papierfabrik nicht spurlos vorüber. So traten we­sentliche Veränderungen in der Produktion, und vor allen Dingen nicht geringe Produktionsein­schränkungen ein. Es wurden — entsprechend der Lage — nur noch wirtschaftlich wichtige bzw. kriegswichtige Erzeugnisse hergestellt, trotzdem sank die Produktion   in den letzten Kriegsjahren  

rapid ab, was vor allem Papiermaschinen I und II betraf, welche zeitweilig außer Betrieb genommen werden mussten. Im Jahre 1945 betrug die Erzeugungsmenge ca. 19 Prozent der Höchstproduktion, obwohl das Werk selbst keinerlei Schaden durch Kriegseinwirkung erlitten hatte. In den ersten Jahren nach dem Kriege wurde versucht, durch Fertigung aller möglichen Papiersor­ten die Produktion aufrechtzuerhalten, wodurch jedoch nicht verhindert werden konnte, dass 1947 die Papiermaschine V außer Betrieb genommen werden musste.

 

Der Betrieb wird Volkseigentum

Die Veränderung der politischen Machtverhältnisse nach dem zweiten Weltkrieg begründete auch eine Änderung der Eigentumsverhältnisse. Während die Auseinandersetzungen zwischen den sozialistischen Kräften und den Kapitalisten in den Westzonen Deutschlands nach dem Kriege zugunsten der Kapitalisten verlief, gelang es durch die Wachsamkeit der Werktätigen und der demokra­tischen Verwaltungsorgane in der seinerzeitigen sowjetischen Besatzungszone den Sieg der  sozialistischen Kräfte herbeizuführen. Es wurden große Reformen auf dem Gebiete der Industrie, des Geld-und Kreditwesens sowie eine Bodenreform durchgeführt, mit denen die Schaffung neuer Eigentumsverhältnisse verbunden war. Die erste rechtliche Grundlage für die Entstehung neuer Eigentumsverhältnisse waren das Potsdamer Abkommen und die Kontrollrats-Proklamation Nr. 2, wobei bestimmtes belastetes Eigentum unter Kontrolle und Verwaltung zu stellen war. Unter kontrolliertes und unter Verwaltung gestelltes Eigentum gehörte auch die Papierfabrik Greiz, mit dem Ergebnis, dass der Betrieb mit Wirkung vom 1. Juli 1948 in Volkseigentum übergeführt wurde. Nun ist die Verwaltung nicht mehr im Interesse und zugunsten der alten Eigentümer, sondern zugunsten des werktätigen Volkes zu führen. Das Ergebnis der Arbeit muß allein der Sicherung der Maximal­befriedigung der ständig wachsenden materiellen Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft zugute kommen. Damit begann eine neue entscheidende Phase in der Entwicklung der Papierfabrik Greiz. Nun setzte eine erneute stetige Aufwärtsentwick­lung ein, die anfangs zwar langsam, später aber  

immer rascher verlief, und zu der heute erreichten Höhe führte. Dabei gibt es keinen Stillstand, die Entwicklung geht unaufhaltsam weiter. Dass die ungünstigen Zustände der Kriegs- und ersten Nachkriegsjahre nach und nach überwunden wurden, ist der unermüdlichen sozialistischen Auf­bauarbeit der Greizer Papiermacher zu verdanken. Ihnen allen sei deshalb auch an dieser Stelle für ihre volle Hingabe und stete Einsatzbereitschaft zum Gelingen des Werkes in herzlicher Weise Dank und Anerkennung ausgesprochen. Es galt zunächst die durch den Krieg und die Nachkriegszeit verminderte Produktion zu heben, um die Kapazität des Werkes wieder voll auszunutzen. Ökonomisch bedingt musste während dieser Zeit eine Umstellung der Produktion vorgenommen werden, da sich der Bedarf vor allen Dingen auf Gebrauchspapiere belief. Auch war durch die Teilung Deutschlands die Rohstoffversorgung eine wesentlich andere geworden, so dass mit dem befreundeten Ausland Kooperationsverträge abge­schlossen wurden. Durch diese Maßnahmen konnte bereits 1949 die Papiermaschine V wieder voll in Betrieb genommen werden.

Erst nach Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage konnten entsprechend dem Aus- und Aufbau der Wirtschaft der Deutschen Demokratischen Republik, speziell der Papierindustrie, die erforderlichen Umstellungen auf das künftige Fabrikationsprogramm festgelegt werden. Es war klar zu erkennen, dass mit einer Vielzahl der vor dem Kriege gefertigten Qualitäten auf dem Markt kein Absatz mehr zu erzielen war. Vor allen Dingen betraf dies die Effektpapiere. Dies und darüber hinaus die veränderte Rohstofflage sind ausschlaggebend gewesen für das künftige Fertigungsprogramm der Greizer Papierfabrik. So wurden in der Holzschleiferei neben dem Stetigschleifer aus dem Jahre 1928 in den Jahren 1949 bis 1951 drei neue Pressenschleifer aufgestellt. Außer dieser Kapazitätserweiterung wurde in den Jahren 1956 bis 1957 eine neuzeitliche Naßentrindungsanlage aufgebaut, so dass diese Schleiferei zu einer der wirtschaftlichsten in der Deutschen De­mokratischen Republik zählt.

Darüber hinaus wurden zur Vervollständigung und Modernisierung in den verschiedensten Ma­schinenaggregaten eine Anzahl Umbauten und Ergänzungen vorgenommen, die alle dazu beitrugen, die Rentabilität des Werkes zu lieben und außerdem die manuelle Arbeit zu erleichtern. Ein in jedem Falle bei der Erhöhung der Produktion ständig auftretendes Hindernis ist die Lage des Betriebes im engen Tal der Göltzsch. Vor allen Dingen macht sich dies im innerbetrieblichen Transport bemerkbar, welcher selbst durch Einsatz der modernsten Geräte, wie z. B. Hubstapler usw., nicht in jedem Falle organisch gestaltet werden kann.

Bedingt durch die Lage des Betriebes, die Fertigungsmöglichkeiten und den weiteren Ausbau, wurde die Produktion auf Grund der Erkenntnisse so gestaltet, dass zum größten Teil nur noch Spezialpapiere in das Fertigungsprogramm aufgenommen wurden. Diese bilden jetzt den Grundstock der Papierfabrik Greiz und tragen dazu bei, den bis dahin erreichten Weltruf zu vermehren. Dass trotz dieser Umgestaltung der Produktion eine stetige Aufwärtsentwicklung erreicht wurde, und dabei selbst die höchste Vorkriegsproduktion überschritten werden konnte, zeigt nachstehende Kurve. So betrug die Steigerung der Produktion ein*

Papier-, Holzschliffproduktion und Umsatz der Jahre 1937-1957

einzelner Papiermaschinen bis zu ca. 40 Prozent. Vor allen Dingen sei hier die wertmäßige Entwicklung besonders hervorgehoben.

Bei der Entwicklung neuer Papiersorten und der Qualitätssteigerung, der vor allen Dingen neu aufgenommenen Sortimente, kommt der Papierprü­fung eine wichtige Aufgabe zu, nicht zuletzt auch angesichts des wachsenden Exports in die verschiedenen Länder und Zonen der Erde mit den unter­schiedlichsten klimatischen Verhältnissen. Hand in Hand mit der Verbesserung und Vervollkommnung des Produktionsprozesses bzw. dessen Maschinen ging deshalb der Neu- und Ausbau des Prüflabors in den Jahren 1954/55 vor sich. Dieses Labor ist mit den modernsten Prüfgeräten und Einrichtungen ausgestattet worden. Für jeden Hauptabschnitt der Untersuchungen sind entsprechend ausgestattete Räume vorhanden, so dass chemische, technische und technologische Untersuchungen ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden können. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass bei der ununterbrochenen Aufwärtsentwicklung der Papierfabrik Greiz besonderer Wert vor allen Dingen auf das ökonomische Verhältnis zwischen Arbeitsproduktivität, Produktionswert und Durchschnittslohn gelegt wurde. Die Verwirklichung dieses Grundgesetzes unseres sozialistischen Aufbaues bringt nachfolgende Tabelle zum Ausdruck.

 

Produktions-

Arbeits-

Durch-

 

wert

produktivität

schnittslohn

    

. %

%

%

1951

100,0

100,0

100,0

1952

122,0

117,4

110,7

1953

128,3

131,2

122,1

1954

132,6

138,0

136,3

1955

146,9

150,7

142,4

1956

158,6

160,6

143,0

1957

158,7

163,5

148,2

So zeigt sich am Beispiel dieses Papierproduktionsbetriebes mit aller Deutlichkeit die Überlegen­heit der sozialistischen Wirtschaftsführung. Aber nicht nur zur ständigen Steigerung von Qualität und Quantität der Erzeugnisse werden jedes Jahr umfangreiche Mittel ausgegeben. Von der unaufhörlich wachsenden Leistungsfähigkeit zeugt letzten Endes alljährlich die Leipziger Messe, wo im Zentralmessepalast der VEB Papierfabrik Greiz zu den ständigen und stark beachteten Ausstellern

 

 

 

gehört. In demselben Maße erfahren die hygienischen, sozialen und kulturellen Einrichtungen des Betriebes eine außergewöhnlich starke Förderung. Zweimal hat die Papierfabrik durch die bisher nie gekannten Wasserfluten der Göltzsch 1954 und 1955 Schaden erlitten. Dabei wurden neben Kessel-und Maschinenhaus, Schleiferei und sonstigen Lagerräumen, die zu ebener Erde stehenden vier Papiermaschinen bis zu 2,30 m überflutet. Der Initiative aller Werktätigen ist es zu danken, dass jeweils nach kürzester Zeit die Produktion wieder voll auf­genommen werden konnte. Außerdem wurde auf der Grundlage eines Verbesserungsvorschlages ein Hochwasserschutz im Werk eingebaut, damit in der Zukunft das Werk vor größeren Schäden bewahrt wird.

 

 

Das betriebliche Vorschlags- und Erfindungswesen

Die stolzen Erfolge in der Steigerung der Produktion durch Verbesserung der vorhandenen Produktionsanlagen, technischen Neueinrichtungen und der Arbeitsmethoden sind schlechterdings nicht denkbar ohne die zahlreichen Verbesserungsvorschläge von Kolleginnen und Kollegen aus allen Abteilungen und Produktionszweigen des vielgliedrigen Betriebes, die Arbeit der technisch-ökonomischen Konferenzen, die hervorragenden Leistungen der Neuerer und Aktivisten. Schon im Jahre 1948, gleich nach Überführung des Betriebes in Volkseigentum, setzte das neue Vorschlagswesen ein. Anfangs fehlte jedoch noch eine einheitliche Grundlage für die Bearbeitung der gemachten Verbesserungsvorschläge. Diese wurde in der Verordnung über das Erfindungs- und Vorschlagswesen in der volkseigenen Wirtschaft vom 6. Februar 1953 geschaffen. Nun wurde das Büro für Erfindungswesen des Betriebes hauptamtlich besetzt. Damit war die Gewähr dafür gegeben, dass jeder Vorschlag ordnungsgemäß bearbeitet wurde und der Einreicher dem durch die Realisierung hervorgerufenen Nutzen entsprechend seine gerechte Vergütung erhielt.

Interessant ist die nachstehende grafische Dar­stellung: sie zeigt die Entwicklung des Verhältnisses zwischen der Anzahl der eingereichten Verbesserungsvorschläge und dem durch diese erzielten Nutzen. Geradezu in die Augen springend ist die 

Entwicklung der Verbesserungsvorschläge 1952-1957 auch anderwärts in der volkseigenen Wirtschaft zu verzeichnende Tatsache, daß die Anzahl der Vorschläge zwar zurückgegangen, ihr Wert aber ganz bedeutend gestiegen ist.

,,Man soll nicht das erfinden, was man gern möchte, sondern das, was unser sozialistischer Aufbau erfordert." Diesen Gedanken Kalinins haben sich die Erfinder und Rationalisatoren zum Grundsatz gemacht.

Aus der großen Zahl der Verbesserungsvorschläge wollen wir nur zwei Beispiele herausgreifen. Da ist der Meister der Veredlungsabteilung, Josef Piehl, der das Anbringen einer Tauch- und Abpreßvorrichtung an der Teermaschine sowie den Einbau einer heizbaren Teerpumpe vorschlug. Diese Maßnahmen bewirkten eine Vergrößerung der Arbeitsbreite und eine Erhöhung der Maschinengeschwindigkeit, wodurch die Produktionsleistung um ca. 50 Prozent gesteigert werden konnte. Durch Veränderung des Produktionsablaufs am Friktionskalander, wodurch ein Arbeitsgang erübrigt wurde, erreichte der Leiter der Ausrüstungsabteilungen, Fritz Fröhlich, eine Leistungssteigerung um 95 Prozent.

 

Der innerbetriebliche Wettbewerb

Neben dem Erfindungs- und Vorschlagswesen spielt die Wettbewerbs- und Aktivistenbewegung bei der Produktionssteigerung eine hervorragende, um nicht zu sagen entscheidende Rolle. So konnten bereits 1949 die ersten Arbeitskollegen für besondere Leistungen ausgezeichnet werden. Inzwischen ist der Wettbewerb der Inhalt der Produktionssteigerung geworden. Besonders bemerkenswert ist da­bei, daß nicht wenige der Arbeitskollegen schon wiederholt mit dem Ehrentitel „Aktivist" ausgezeichnet werden konnten.

Der erste Aktivist des Betriebes, Willi Zipfel, konnte auf Grund seiner vorbildlichen Arbeitsbedingungen seit 1949 noch zweimal als solcher geehrt werden.

Der ebenfalls dreimal als Aktivist ausgezeichnete Kurt Müller hat einen ganz wesentlichen Anteil an der Erhöhung der Produktion in der Stoffaufbereitung. Durch seine gute Organisation der Arbeit konnte er die Leistung um 22 Prozent steigern. In mühevoller Arbeit konnten unter Leitung des dreimal als Aktivist geehrten Hauptproduktions­eiters  Karl  Lautenschläger verschiedene technische Spezialpapiere entwickelt werden, durch deren Fertigung die Unabhängigkeit vom Import erreicht wurde.

Der Papiermaschinenführer Paul Horlbeck, Aktivist von 1954, 1956 und 1957, trug besonders durch seine Verpflichtungen, die Vorbild für ein neues bewusstes Arbeiten waren, dazu bei, die Produktion zu steigern.

Die Liste aller der aufbauwilligen und einsatzfreudigen Kolleginnen und Kollegen, die sich, jeder auf seine Weise, aktiv für die Weiterentwicklung des Werkes eingesetzt haben, könnte endlos fortgesetzt werden. Es ist jedoch unmöglich, sie alle, trotz ihrer großen Leistungen, hier namentlich festzuhalten, da sich ständig weitere hinzugesellen. In jedem Falle bleiben sie jedoch unvergessen mit ih,ren Taten, die sie für den sozialistischen Aufbau unseres Werkes vollbracht haben.

 

Unsere Erzeugnisse

In der richtigen Überlegung, dass die besonders gelagerten Verhältnisse der Greizer Papierfabrik es wenig ratsam erscheinen  lassen, das vielseitige Fertigungsprogramm beizubehalten, wurde die Fabrikation weitgehend spezialisiert und auf die Herstellung verhältnismäßig weniger, aber volkswirt­schaftlich besonders wichtiger Sonderpapiere, insbesondere auf die sehr gefragten technischen Spezialpapiere, konzentriert. Dabei hat man die Produktion einiger bisher gefertigter Papiere weiter gefördert und darüber hinaus verschiedene Sorten entwickelt und neu aufgenommen. U. U. ist hierdurch teilweise bei einigen Sorten ein mengenmäßiger Rückgang zu verzeichnen, jedoch steigt der Produktionswert der Gesamterzeugung durch die im Wert hochliegenden Sonderpapiere, was auch die Kurve auf Seite 36 deutlich zum Ausdruck bringt.

In der Deutschen Demokratischen Republik ist das Greizer Werk das alleinige, in welchem Spezialpapiere, wie Fotoschutzpapier, Kalanderwalzenpa­pier, Asbestpapier sowie Hollerithkarton usw. hergestellt werden. Daneben finden wir Spezialpapiere und Rohpapiere für die verschiedensten Zwecke. In manchen Papiersorten versieht Greiz ausschließlich den inländischen Markt. Die hohe Qualität zahlreicher Spezialpapiere hat jedoch das Interesse des Auslandes an den Greizer Erzeugnissen geweckt und so zu ständig steigendem Export geführt.

Das Produktionsprogramm umfasst in der Hauptsache folgende Sorten, die hinsichtlich ihrer Verwendung hier kurz charakterisiert seien.

Hollerithkarton (Lochkartenkarton)

Dieser wird seit annähernd 25 Jahren im Betrieb gefertigt. Auf Grund dieser langjährigen Erfahrungen wird hiermit ein Erzeugnis auf den Markt gebracht, welches den höchsten Ansprüchen genügt. Es findet in Form von bedrucktem Lochkarton, vor allen Dingen im allumfassenden Rechnungswesen, eine vielseitige Verwendung. Darüber hinaus ist auch in der Statistik die Hollerithkarte nicht mehr wegzudenken. Sie ist im Zuge der Rationalisierung ein unentbehrliches Material.

Fotoschutzpapiere

Diese fertigt der Betrieb als einzige Papierfabrik in der Deutschen Demokratischen Republik. Die Erzeugung erfolgt nach den neuesten Erkenntnissen, unter Berücksichtigung der fotochemischen sehen und physikalischen Bedingungen. Dieses Qualitätspapier ist einer der wichtigsten Exportartikel des Betriebes und wird in den Qualitäten schwarz/rot, schwarz/grün, schwarz/gelb und schwarz/blau hergestellt. Diese Papiere finden fast ausschließlich für Rollfilmverpackung Verwendung.

Das schwarz/weiße Fotoschutzpapier wird im allgemeinen als Schutzumschlag für Zahnröntgenfilme eingesetzt.

Vor allen Dingen für die Röntgenfilme wird ein schwarzes Fotoschutzpapier hergestellt, welches den höchsten Ansprüchen der Verbraucher ent­spricht.

0 g e n o 1 i t

Ein Spezialerzeugnis ist dieser gewölkte, friktionierte h'h-Karton in verschiedenen Grammgewichten und Farben. Er findet Verwendung als Umschlagkarton, wie auch für verschiedene Spezialartikel der papierverarbeitenden  Industrie.

Asbestpapier

Eine  weitere  Spezialität,  die  ausschließlich  aus anorganischen Fasern hergestellt wird, wurde vor einigen Jahren von Kollegen des Betriebes entwickelt. Dieses Papier wird in der elektrochemischen Industrie als Diaphragma verwendet und findet außerdem in den verschiedensten Industriezweigen Einsatzgebiete, z. B. als Dichtungsmaterial, Wärme-Isolation usw. Besonders hervorzuheben ist die Feuerfestigkeit, welche garantiert wird.

Neulandmarmor

Unter dieser Bezeichnung weiden in Greiz zweifarbige marmorierte h'h Überzugpapiere herge­stellt, welche für die Fertigung von Briefordnern und dergleichen Verwendung finden.

Albumkarton

Speziell für Fotoalben findet im In- und Ausland der in Greiz hergestellte h'h Albumkarton in ver­schiedenen Sorten vielfach Verwendung. Besonders wegen seiner Geschmeidigkeit und samtartigen Oberfläche ist er ein gern gekaufter Artikel.

Manilakarton

Dieser geklebte h'h Karton wird in sieben Farben und zwei verschiedenen Grammgewichten ab Lager gehandelt, darüber hinaus jedoch in Sonderfällen entsprechend den Wünschen unserer Kunden gefertigt. Die Verarbeitung geschieht im allgemeinen zu Schnellheftern, Aktendeckeln usw.

H'h Karteikarton

In verschiedenen Farben und Grammgewichten fertigt der Betrieb dieses Erzeugnis, welches zu Karteikarten der verschiedensten Ausführungen verarbeitet wird, und in der Industrie und im Handel Verwendung findet.

Tauenpapier

Dieses mit Wasserzeicheneffekt hochsatiniert gearbeitete h'h Einschlagpapier findet vor allen Dingen gern als Büchereinschlagpapier Einsatz. Es wird in verschiedenen Farben und Effekten verkauft.

Krepp-Packpapier

Für die Verpackung von Industriegütern wird vielfach ein naßgekrepptes Packpapier verwendet. Dieses Erzeugnis, dessen Fertigungsmethodik vor Jahrzehnten in Greiz entwickelt wurde, wird heute noch als Spezialität unseres Werkes angesehen.

Vorsatz-und Überzugpapiere

Als Buchbindereibedarfsartikel finden in vielen Betrieben die in Greiz hergestellten h'h Vorsatz-und Überzugpapiere in verschiedensten Qualitäten — auch geprägt — Verwendung.

Kalanderwalzenpapiere

Zur Herstellung von Kalanderwalzen werden im Betrieb Wollkalanderwalzenpapier und Asbestkalanderwalzenpapiere hergestellt, letztere mit verschiedenen Prozentsätzen von Asbest.

Textilhülsenpapier

Für die Herstellung von Textilhülsen für die verschiedenartigsten Garnqualitäten wird ein in unterschiedlichen Grammgewichten und Farben gearbeitetes, im allgemeinen e'gl. Papier verwendet. Für die Fabrikation dieses Erzeugnisses liegen jahrzehntelange Erfahrungen vor.

H'h Konservenkarton

Ein aus unserem Wirtschaftsleben nicht wegzudenkendes Material ist der für die Lebensmittelindustrie zur Verpackung dienende wasserdichte Konservenkarton.

H'fr. Automatenkarton

Speziell für die Stickereibetriebe, welche besonders im Vogtland konzentriert sind, ist dieses Produkt ein wichtiges Hilfsmittel zur Steuerung der Stickmaschinen.

Preßspanrohpapier

Für die dünneren Sorten von Elektro-Pressspan, und zwar bis 0,3 mm, werden im Betrieb für den gesamten in- und ausländischen Bedarf der DDR die Rohpapiere hergestellt, welche in den Verarbeitungswerken noch fertig konfektioniert werden.

Chromoersatzkarton

Dieses in h'h Qualität hergestellte Verpackungsmaterial wird vor allen Dingen für Industriepackungen verwendet.

Schleifbandrohpapier

Zu den in Industrie und Handwerk bekannten Schmirgelpapieren verschiedener Sorten dient Schleifbandrohpapier als Träger der aufgestreuten Materialien.

E'gl. Natronpapiere

Für Gummierzwecke, speziell in der Verpackungsindustrie als Klebeband bekannt, dient dieses Erzeugnis als Grundstoff.

Natronkreppapier

Als ein Sondererzeugnis kann das trockengekreppte Natronpapier gelten. Es dient zum Umwickeln von geformten Stücken, wie z. B. Fahrradfelgen und -rahmen, Fässern usw. Darüber hinaus wird dieses Papier in verschiedenen Industriezweigen für Sonderzwecke eingesetzt.

Sind hier auch nur die wichtigsten Erzeugnisse unseres Werkes herausgegriffen und kurz spezifiziert, so umfasst doch das Sortenprogramm des Werkes trotz „Spezialisierung" noch ca. 75 Papier-und Kartonerzeugnisse, die der Industrie und dem Handel zur Verfügung gestellt werden. Für alle Auskünfte und Beratungen steht ein gut ausgebildetes Personal zur Verfügung, so dass jederzeit auftretende Fragen fachgerecht bearbeitet werden können.

 

Der Export

Über die ständige, zeitweise sprunghafte Steige­rung des Exports, um die sich der kaufmännische Direktor, Herr Rorarius, ganz besonders verdient gemacht hat, gibt die nachstehende Übersicht be­redten Aufschluß.

Steigerung des Exports seit 1951

Länder, in die exportiert wird

Kunden

Aufträge

Expor­umsat

1951                   9

11

27

100%

1952                 11

18

28

162%

1953                13

21

35

163%

1954                 14

36

68

218%

1955                 15

60

172

256%

1956                 21

78

272

334%

1957                 27

111

295

420%

Im Jahre 1957 waren folgende Sorten wesentlich am Export beteiligt

 

Albumkarton

Krepp

-Pack

 

Billetkarton

Neulandmarmor

 

Buchungsmanila

Ogenolit

 

Fotoschutzpapier

Tauenpapier

 

Hollerithkarton

Überzugpapier

 

Kalanderwalzenpapier

Umschlagkarton

 

Karteikarton

Zellstoffkarton

 

           

Die Berufsausbildung

Seit 1938 wurden in der Papierfabrik Greiz Papiermacher mit Anlernvertrag und Abschlussprüfung ausgebildet. Die theoretischen Fachkenntnisse wurden ihnen von Fachleuten zusätzlich zum allgemeinen Berufsschulunterricht, den sie in einer Sammelklasse der Städtischen Berufsschule erhielten, vermittelt.

Am 1. 9. 1948 jedoch konnte eine eigene Betriebsberufsschule eröffnet werden. Zunächst wurde mit einer Klasse begonnen. 29 Berufsschüler, Papier­macher-Anlernlinge und Jungarbeiter, erhielten in acht Fächern Unterricht. Die kaufmännischen Lehrlinge nahmen an „Fachkunde" und „Fachrechnen" teil.

Die Lehrkräfte für den allgemeinbildenden Unterricht stellte die städtische Berufsschule zur Verfügung, während in den Fachfächern durch geeignete, vom Thür. Ministerium des Innern dafür bestätigte Fachleute praxisverbunden unterrichtet wurde.

Der 1. 9. 1949 brachte zwangsläufig die Einrichtung einer zweiten Klasse, mit der die Schülerzahl

 

 

 

auf 59 anstieg. Mit dem Lehrbeginn des gleichen Jahres wurde vom Staatssekretariat für Berufsausbildung der Papiermacherberuf zum Lehrberuf erhoben. Diese Umstellung brachte auch mit sich, dass nun noch die drei fehlenden naturwissen­schaftlichen Fächer in den Lehrplan aufgenommen wurden, wodurch alle Voraussetzungen geschaffen waren, die eine theoretische Ausbildung benötigt. Parallel zur Schule wurde die praktische Ausbildung den gestellten Forderungen entsprechend fortentwickelt.

So konnten dann im Jahre 1952 die Greizer Ausbildungseinrichtungen als zentrale Ausbildungsstätte für den Papiermachernachwuchs aus den Papierfabriken der Deutschen Demokratischen Republik eingerichtet werden. Hauptamtliche Lehrer, Ausbilder und Erzieher übernahmen jetzt die Berufsausbildung, und es ergab sich, dass durch die enge Verbindung von Theorie und Praxis und den Einbau der Erziehungs-, Ausbildungs- und Unterrichtseinrichtungen in die Produktionsstätte beste Erfolge erzielt wurden.

Darüber hinaus folgte in den nächsten Jahren die Einrichtung ähnlicher Ausbildungsstätten in den volkseigenen Papierfabriken in Golzern und Penig.

In einer zweieinhalbjährigen Ausbildung, die sowohl in der Betriebsberufsschule als auch im Produktionsbetrieb erfolgt, werden den Papiermacherlehrlingen die umfangreichen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, die es ihnen ermöglichen, als zukünftige Facharbeiter das jahrhundertealte Handwerk des Papiermachens auszuüben, die neue Technik zu meistern und entscheidend an der Erfüllung unserer Volkswirtschaftspläne mitzuarbeiten. Die Berufsausbildung muss allen politischen und ökonomischen Forderungen eines Staates, in dem der Sozialismus aufgebaut wird, entsprechen und soll dabei für ganz Deutschland vorbildlich sein.

Neben der Vermittlung eines gründlichen allgemeinen und fachlichen Wissens werden die Lehrlinge mit allen vorkommenden Arbeiten der Pa­pierproduktion vertraut gemacht. Die jungen Menschen erhalten zwei Jahre lang eine theoretische und praktische Ausbildung, und zwar so, dass wöchentlich drei Tage in der Praxis und drei Tage in der Berufsschule gelernt und geübt wird. Beim

 

 

 

Durchlaufen der einzelnen Ausbildungsphasen kommt der Papiermacherlehrling zunächst ein halbes Jahr in die Lehrwerkstatt, dann ein halbes Jahr in die Holzschleiferei und Ausrüstung, schließlich ein Jahr an die Lehrmaschine, Papiermaschine IV des Werkes. Diese Papiermaschine ist ausschließlich der Lehrausbildung zur Verfügung gestellt. Die Ausbildung erfolgt im Zweischichtsystem, und zwar von 6—14 und 14—22 Uhr. Die Papiermaschine (Langsiebmaschine) ist Schwerpunkt in der Ausbildung. Erst nach Qualifizierung im anschließenden halbjährigen Praktikum, das im jeweiligen Stammbetrieb abzuleisten ist, findet die Abschlussprüfung statt. Alsdann kehren die Jungfacharbeiter in ihre Stammbetriebe zurück. Die Lehrpapiermaschine für die Berufsausbildung stellt in dieser Form die einzige ihrer Art in der Republik dar. Es wird im Rahmen der produktiven Ausbildung Krepp-Packpapier, Textilhülsenpapier und Packpapier erzeugt.

An der Berufsschule wurden seit 1952 über 300 Papiermacher für 48 verschiedene Betriebe der papier- und pappenerzeugenden Industrie ausgebildet. Davon haben bis heute 22 ihre weitere Qualifizierung als Techniker und Ingenieur beendet. 75 Papiermacherlehrlinge befinden sich gegenwärtig in der Ausbildung und weitere 50 Lehrlinge begannen ihre Lehrzeit ab 1. 9. 1958. Die auswärtigen Berufsschüler sind in einem Lehrlingswohnheim untergebracht, das mit allen Annehmlichkeiten des Wohnens, Lernens und der Freizeitgestaltung ausgestattet ist; es sind z. B. Klavier (Musikunterricht wird erteilt), Fernsehgerät, Bibliothek usw. vorhanden. Mit dem Wohnheim ist ein Garten und ein Sportplatz verbunden, so dass die Lehrlinge einen Ausgleich für die Be­rufsarbeit finden. Die schönste Anerkennung fand die Greizer Papiermacher-Berufsschule im VI Tl. Berufswettbewerb der deutschen Jugend 1955/56 durch die Auszeichnung „Beste Ausbildungsstätte der papiererzeugenden Industrie".

 

 

Unfall- und Brandschutz

Für einen ungestörten Betriebsablauf ist die Vorsorge und der Schutz der Werktätigen gegen Unfälle von großer Wichtigkeit. Wenn die Mitarbeiter im Betrieb auf gute Arbeitsorganisation, Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz, Einhaltung der Schutzvorschriften usw. bedacht sind, so sind schon wesentliche Voraussetzungen zur Verhütung von Unfällen erfüllt. Durch die Aufmerksamkeit und Arbeitsdisziplin aller Werksangehörigen konnten in der Tat zahlreiche Unfallquellen beseitigt werden. Diese Umstände im Verein mit den Maßnahmen des Arbeitsschutzes, die im Zusammenwirken betrieblicher, gewerkschaftlicher, par­teilicher und staatlicher Stellen getroffen werden, haben in den letzten Jahren eine dauernde Senkung der Betriebsunfälle bewirkt, wie nachstehende Zah­len deutlich zu erkennen geben.

Jahr                   Betriebsunfälle

1953               124

1954               105

1955                97

1956                80

1957                66

Für die im Betrieb arbeitenden Menschen ist der Brandschutz ebenso von Bedeutung wie für die Erhaltung der Werksanlagen. Während die alte Betriebsfeuerwehr 1921 eine Stärke von 50 Mann hatte und nur mit einer Lafettenspritze und einer

Handspritze ausgestattet war, sind heute nur 25 Kameraden beim Brandschutz eingesetzt, sie verfügen aber über die modernsten Feuerlöschgeräte.

 

 

Qualifizierung der Arbeitskollegen

Produktionssteigerung und Qualitätsverbesserung sind nicht allein durch technische Maßnahmen zu erreichen. Dazu gehören vor allen Dingen auch qualifizierte Arbeitskräfte. Der VEB Papier­fabrik Greiz hat es deshalb als eine seiner dringlichsten Aufgaben angesehen, seine Werktätigen durch fachliche und politische Schulung zu befähi­gen, im Arbeitsleben emporzusteigen und sich an der Lenkung und Leitung der Wirtschaft zu betei­ligen.

Das Bemühen der Werktätigen, sich ein Höchstmaß an Fachkenntnissen und Allgemeinbildung anzueignen, kommt dabei nicht nur ihnen selbst und der Wirtschaft zugute, sondern ist zugleich Reservoir von Nachwuchskräften für den volkseigenen Sektor und den Staatsapparat.

über die Erfolge des VEB Papierfabrik Greiz bei der Entwicklung neuer Kader vermitteln nachstehende Angaben ein anschauliches Bild:

Fachliche und gesellschaftswissenschaftliche Lehrgänge

Jahr

männl.

weibl.

insgesamt

1951

28

3

31

 

1952

46

20

66

 

1953

54

18

72

 

1954

54

10

64

 

1955

45

13

58

 

1956

36

5

41

 

1957

37

3

40

 

Insgesamt

300

72

372

 

 

Seit 1951 haben 16 Betriebsangehörige Fachschulen besucht,   6 an   Meisterlehrgängen   teilgenommen, 45 (darunter 3 weibliche) an fachlichen Lehrgängen von 1 bis 6 Monaten Dauer,  194 (darunter 43 weibliche) an gesellschaftswissenschaftlich.

Durch betriebliche Qualifizierungsmaßnahmen sind insgesamt 115 Hilfsarbeiter und 85 Hilfsarbeiterinnen zu Fachkräften ausgebildet worden.

 

Soziale Maßnahmen und Einrichtungen

In unserer Republik ist die Sorge um den Menschen höchstes Gebot. Wenn es darauf ankommt, dass jeder Bürger höchstmögliche Leistungen für den Aufbau eines besseren Lebens vollbringt, so bedeu­tet das zugleich, dass der werktätige Mensch seine Freizeit in hohem Maße für seine Erholung ver­wenden muss. Deshalb hat der Betrieb eine ganze Reihe von hygienischen und sozialen Einrichtun­gen geschaffen bzw. vorhandene verbessert und er­weitert, die insgesamt dazu angetan sind, der Ge­sunderhaltung der Werktätigen zu dienen. Jährlich konnten entsprechend den erfolgreichen Leistungen der Betriebsangehörigen erhebliche Beträge zur Vervollkommnung sozialer Einrich­tungen und zur Verbesserung der sozialen Lage der   Werksangehörigen   zur   Verfügung   gestellt

 

 

 

werden. So wurden z. B. in den Jahren 1955/56 allein für den Neubau der Werkküche und den Ausbau eines zentralen Speisesaales über 100 000 DM verausgabt.

Wenn hier auch alle die segensreichen Einrichtungen, die zum Wohle der Werktätigen des Betriebes geschaffen wurden, nicht vollständig und nicht ausführlich behandelt werden können, so mögen doch einige der wichtigsten kurze Erwähnung finden. Unter anderem wurden 1951 die ungenügenden Waschräume durch eine zentral gelegene Großbadeanlage, für Frauen und Männer, ersetzt, dazu kommen neu geschaffene Badeanlagen in einzelnen Betriebsteilen.

Die Betriebs-Sanitätsstelle ist erweitert und mit allen modernen therapeutischen und sonstigen Geräten ausgestattet. Der halbtägig im Betrieb weilende Arzt führt laufend Reihenuntersuchungen der gesamten Belegschaft durch und steht darüber hinaus allen als praktischer Arzt zur Verfügung. Die Sanitätsstelle ist von 6 bis 22 Uhr von Fachpersonal besetzt, so dass während dieser Zeit ambulante Behandlungen garantiert sind. In der Nachtschicht stehen ehrenamtliche Helfer des „Roten Kreuzes" aus der Belegschaft zur Verfügung, damit bei Unfällen sachgerechte „Erste Hilfe" geleistet werden kann.

Um den Werktätigen, zumal den Frauen, Wege und Zeitversäumnis zu ersparen und ihnen häusliche Arbeiten abzunehmen, ist eine Betriebswäscherei mit umfangreichen Anlagen eingerichtet, ebenso eine Schuhmacher- und eine Schneiderwerkstatt. Aus den gleichen Gründen wurde 1949 eine Konsum- und 1951 eine HO-Verkaufsstelle eingerichtet, die sich beide bestens bewährt haben. Die betriebseigene Gärtnerei, welche 1957 neben dem alten ein neues großzügiges Gewächshaus erhalten hat, liefert nicht nur den Blumenschmuck für die verschiedensten betrieblichen Veranstaltungen, sondern auch Gemüse und Obst für die Werkküche, sowie für alle Kollegen des Betriebes. Für die Werkküche schafft außerdem die Schweinemästerei zusätzliche Fett- und Fleischportionen. Als soziale Einrichtung, die nicht mit dem Betrieb verbunden ist, ist das Altersheim „Clara Zetkin" in Irchwitz anzusehen. Diese 1949 eingerichtete Pflegestätte für Rentnerinnen und Rentner ist die ehemalige Villa der Familie Günther, welche heute

 

 

 

ca. 70 alten Bürgern unter großzügiger Unterstützung des Staates Obdach und Zuhause bietet. Die Arbeitsveteranen des Betriebes genießen eine besonders liebevolle Betreuung. Sie erhalten neben den staatlichen Unterstützungen verschiedene betriebliche Beihilfen.

In einem idyllischen Tale bei Elsterberg im Vogtlande liegt die Kölbelmühle, die vom Betrieb erworben und zum Kinderferienheim eingerichtet wurde. Hier verbringen alljährlich 140 Kinder in waldreicher Umgebung ihre Sommerferien. Ein eigenes Ferienheim besitzt der Betrieb auf den Höhen des Thüringer Waldes bei Ilmenau, es bietet in 800 m ü. N. ideale Verhältnisse für Sommer- und Winterurlaub.

Förderung des kulturellen Lebens unserer Werktätigen

Es ist ein besonderes Anliegen der Arbeiterklasse, das fortschrittliche humanistische Kulturgut, von dem sie lange Zeit ausgeschlossen war, mitzuerleben und zu gestalten. Gilt es doch, am geistigen Leben unserer Zeit teilzunehmen, es zu beeinflussen und eine sozialistische Kultur zu entwickeln. Den großen Aufgaben, die die Entfaltung des kulturellen und geistigen Lebens der Werktätigen mit sich bringt, dienen die mannigfaltigsten durch den Betrieb geförderten Einrichtungen. Für die Kulturarbeit der Betriebsangehörigen sind allein im Jahre 1957 insgesamt rund 38 000,— DM ausgegeben worden. Das im Jahre 1937 errichtete „Kameradschaftshaus" wurde unter Mithilfe der Belegschaft in zahllosen freiwilligen Arbeitsstunden zum Kulturhaus „Richard Schiller" ausgestaltet. Hier finden die Werksangehörigen nach des Tages Arbeit Erholung und Unterhaltung. Neben der öffentlichen Gaststätte werden Lichtspielvorführungen mit normalen Spielfilmen abgehalten. Das tägliche Geschehen in der Welt kann durch Fernsehempfang miterlebt werden. Das Kulturhaus dient nicht nur für die großen Veranstaltungen des Betriebes, sondern steht auch der ganzen Bevölkerung von Greiz für die verschiedensten kulturellen Veranstaltungen zur Verfügung und ist auf dem Wege, im besten Sinne des Wortes ein „Volkshaus" zu werden. In nächster Nähe der Papierfabrik liegt das Klubheim des Werkes, es ist dies die ehemalige Gaststätte

 

 

 

Göltzschtal-Einkehr", das zu den beliebtesten Einkehrstätten unserer Stadt zählt. Für Vortrags- und sonstige Veranstaltungen wurde in der Papierfabrik 1957 der „Saal der Papiermacher" eingerichtet, der mit 120 festen Sitzplätzen ausgestattet ist.

Besondere Erwähnung verdient die Bücherei, die mit ihren 3500 Bänden und der Hälfte der Belegschaft als Leser eine der aktivsten Betriebsbüchereien der Republik ist. Daneben besteht eine Fachbücherei im Technischen Kabinett, die ebenfalls allen Kollegen zur Verfügung steht. Zahlreiche Veranstaltungen dienen der Entspannung und Erholung. Neben Kultur- und Tanzveranstaltungen finden mehrmals im Jahre Betriebsfeiern, wie z. B. zu Fastnacht, am 1. Mai, zu Weihnachten und bei weiteren Gelegenheiten, sowie auch Kinderfeste statt, die sich besonderer Beliebtheit erfreuen. Höhepunkte des Betriebslebens sind in jedem Falle die Aktivistenfeiern am 1. Mai und am 7. Oktober jedes Jahres.

Um die verschiedenen kulturellen Interessen der Werktätigen zu pflegen, entstanden zahlreiche Gruppen und Zirkel, die der  Qualifizierung auf mancherlei volkskünstlerischen und anderen Gebieten dienen. So besteht seit 1949 ein Werkschor und eine Volkstanzgruppe, später bildete sich eine Kindertanzgruppe, auch eine Gruppe für Harmonika- und eine für Laienspiel. Ferner entstanden unter den Lehrlingen ein Foto- und ein Modellbau-Zirkel. Zu den jüngsten Gründungen gehören das politisch-satirische Kabarett und die Schalmeienkapelle.

Der Gesunderhaltung der Werksangehörigen dient unter anderem die Förderung des Sports. Die 1950 gegründete Betriebssportgemeinschaft wurde ständig ausgebaut. Auch der Kindersport wird gepflegt. Die Betriebssportgemeinschaft mit ihren verschiedenen Sektionen zählt zur Zeit über 200 aktive Mit­glieder.

 

Gesellschaftliche Wirksamkeit des Betriebes

Beim Aufbau der sozialistischen Gesellschaftsordnung in der Deutschen Demokratischen Republik stehen die volkseigenen Betriebe im Mittelpunkt des Geschehens. Sie bilden nicht nur das wirtschaftliche Fundament, sondern strahlen auch

 

 

auf andere Gebiete des gesellschaftlichen Lebens eine starke Kraft politischer Willensbildung aus. Ein Mittel gesellschaftspolitischen Wirksamwer­dens des VEB Papierfabrik Greiz ist beispiels­weise die Betreuung anderer Einrichtungen durch Übernahme von Patenschaften, um auf diese Weise dem Neuen zum Durchbruch zu verhelfen oder es zu fördern. Die Hilfe kann materieller und ideeller Art sein.

So bestehen vertragsmäßig geregelte Patenverhält­nisse zur Gemeinde Zoghaus, einem Dorf bei Greiz, um die Bildung kollektiver Organisationsformen auf dem Lande zu unterstützen. Die Landwirt­schaftliche Produktionsgenossenschaft, die sich aus dem früher zum Werk gehörenden, an sich betriebs­fremden landwirtschaftlichen Gut bei Irchwitz ge­bildet hat, ist Patenbetrieb der Papierfabrik. Auch über die Handwerkliche Produktionsgenossen­schaft der Tischler zu Greiz hat unsere Papier­fabrik die Patenschaft übernommen. Patenschafts­verhältnisse bestehen zu verschiedenen sozialen, kulturellen, politischen Einrichtungen, wie zum Säuglingsheim, der Grundschule Greiz-Irchwitz, staatlichen   Organisationen   und   der   Nationalen Volksarmee.

 Zu den durch Patenschaftsvertrag unterstützten Einrichtungen gehört seit 1958 auch das Deutsche Papiermuseum zu Greiz, dessen Aufbau vermöge dieser Hilfe rascher vonstatten geht. „Was des Volkes Hände schaffen, soll des Volkes eigen sein." Das ist der Leitgedanke des Nationalen Aufbauwerkes in der Deutschen Demokratischen Republik. Im Rahmen dieses Aufbauwerkes durch freiwillige Leistungen auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet mitzuhelfen, auf diese Weise unseren wirtschaftlichen Reichtum zu mehren und unsere Heimat schöner zu gestalten, damit das Leben für alle lebenswert werde, ist Ehrensache jedes Bürgers der DDR. Unverkennbar spiegelt sich in den übernommenen Verpflichtungen auch die große politische Bedeutung des Nationalen Aufbauwerkes, an dem sich die Belegschaft der Greizer Papierfabrik in hervorragender Weise beteiligt. In diesem Sinne wurden von zahlreichen Werksangehörigen Arbeitseinsätze bei der Ausgestaltung des Kinderferienheimes Kölbelmühle, bei der Errichtung einer Kegelbahn, aber auch bei Groß-Bauvorhaben des Bezirkes und beim Bau von Wohnungen usw. geleistet.

Die Betriebszeitung des VEB Papierfabrik Greiz „Der Papiermacher" kann als eine der inhaltsreichsten Betriebszeitungen unserer volkseigenen Papierindustrie bezeichnet werden. Sie ist am 1. Juni 1955 erstmalig erschienen, ihre Auflage beträgt ca. 1000 Stück. Die von einem Kollektiv unter Leitung eines hauptamtlichen Redakteurs redigierte Betriebszeitung ist das Sprachrohr des Betriebes und hat die Aufgabe, alle Werktätigen im sozialistischen Sinne zu erziehen und ihr Bewusstsein zu wecken. Die Betriebszeitung berichtet regelmäßig über die Erfolge im Wettbewerb und auf allen Gebieten der Produktion. Aber auch freimütige Kritik an etwaigen Missständen aller Art im Betrieb wird geübt. Alle Kolleginnen und Kollegen der Papierfabrik haben die Möglichkeit, in ihrer Betriebszeitung zu Wort zu kommen.

Halten wir Rückblick auf die 370jährige Betriebsgeschichte, so muss festgestellt werden, dass das Werk in den letzten 10 Jahren, trotz schwerer Nachkriegszeit, eine sprunghafte Entwicklung genommen hat. Neben einer zielstrebigen Produktionslenkung wurden vor allem die sozialen und kulturellen Einrichtungen entwickelt, wie es in der

 

 

 

Geschichte der Papierfabrik Greiz einmalig ist. Aus Anlass des 10jährigen Bestehens als volkseigener Betrieb wurde im Sommerpalais in Greiz eine Ausstellung veranstaltet. In dieser konnte die Entwicklung auf technischem, sozialem und kulturellem Gebiet im vergangenen Jahrzehnt anhand von Graphiken, Fotos, Modellen und Mustern viel ausführlicher dargestellt werden, als es hier geschehen konnte. Zum besseren Verstehen wurde vom Deutschen Papiermuseum, unter dessen Leitung die Ausstellung stand, ein Abriss der Allgemeinen Papiergeschichte gegeben. So wurde die Rechenschaftslegung des ältesten Papierwerks in Thüringen vor der gesamten Bevölkerung zu einer beachtlichen kulturgeschichtlichen Schau. Es ist Aufgabe der gesamten Belegschaft, die Weiterentwicklung des Werkes in den nächsten Jahren durch tatkräftige Unterstützung zu fördern. Hierbei soll die Steigerung der Produktion und die ständige Verbesserung der Qualität das Ansehen der volkseigenen Papierfabrik Greiz in aller Welt stärken.

 

Anhang:

 

 

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